Streeck: Wer Sucht-Therapieplätze verliert, riskiert Lebenswege

Streeck: Wer Sucht-Therapieplätze verliert, riskiert Lebenswege
In die Debatte um die Zukunft der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik meldet sich der Bundesdrogenbeauftragte zu Wort. Die Reha-Plätze für junge Suchtkranke müssten erhalten bleiben, an einer Lösung werde mit Hochdruck gearbeitet, sagte Hendrik Streeck.

Berlin (epd). Der Bundesbeauftragte für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck (CDU=, hat sich mit Nachdruck für den Erhalt der von Schließung bedrohten Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn bei Oldenburg ausgesprochen. Der Deutschen Rentenversicherung warf er vor, sich bei der Weiterfinanzierung querzustellen. „Wenn diese Plätze wegfallen, verlieren junge Menschen in einer besonders vulnerablen Lebensphase dringend notwendige Hilfe. Wer hier Therapieplätze verliert, riskiert Lebenswege“, sagte Streeck am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Drogenbeauftragte sagte, dass zurzeit Gespräche mit allen relevanten Akteuren liefen, insbesondere mit dem Träger, der diakonischen Leinerstift-Gruppe, der Deutschen Rentenversicherung und den zuständigen Stellen auf Landesebene. Ziel sei es, den Weiterbetrieb der Klinik zu sichern. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, eine Lösung zu ermöglichen“, sagte Streeck.

Massive Unterfinanzierung

Deutschlands größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche hatte im März angekündigt, ihren Betrieb zum 30. Juni einzustellen. Als Grund nannte die Leinerstift-Gruppe eine massive Unterfinanzierung der 60 Plätze, die es unmöglich mache, den Betrieb kostendeckend und therapeutisch angemessen weiterzuführen. Bis zum 10. Mai könne noch eine Lösung gefunden werden. Danach sei die Schließung unabwendbar. Die Rentenversicherung zahlt eigenen Angaben zufolge für einen Suchttherapieplatz einen Tagessatz von 320 Euro. Nötig sind nach Angaben von Klinik und Diakonie 520 Euro.

In Fachkreisen stößt die angekündigte Schließung auf harsche Kritik. Auch Streeck unterstrich die Bedeutung der Einrichtung. „Die Klinik zeichnet aus, dass sie parallel zur Sucht selbst auch die Begleiterkrankungen behandeln kann, also etwa psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Borderline-Störungen, und das ist so wichtig, weil sie mit der Sucht oft untrennbar zusammenhängen.“