Psychotherapeutin: Paare müssen lernen, Care-Arbeit fair aufzuteilen

Psychotherapeutin: Paare müssen lernen, Care-Arbeit fair aufzuteilen
Noch immer verrichten vor allem Frauen in Beziehungen die "unsichtbare Arbeit", sind Planerinnen, Pflegerinnen und lassen alle Fäden bei sich zusammenlaufen. Damit das sich ändern kann, rät eine Psychotherapeutin Paaren zu mehr Experimentierfreude.
04.05.2026
epd
epd-Gespräch: Björn Schlüter

Hannover (epd). Die Aufteilung von Sorgearbeit ist nach Beobachtungen der Psychotherapeutin Kristina Schütz ein häufiges Thema in Paarkonflikten. Kritisch werde es insbesondere dann, wenn die sogenannte Mental Load einseitig verteilt sei und dies vom Gegenüber nicht gesehen oder wertgeschätzt werde, sagte die Präsidentin der niedersächsischen Psychotherapeutenkammer dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf den Muttertag am 10. Mai. Als Mental Load wird die unsichtbare Denkarbeit und Verantwortung für die Organisation von Alltags- und Familienaufgaben bezeichnet.

„Ein besonderes Problem ist, dass Mental Load keine Freizeit kennt“, sagte Schütz. Berufstätige hätten irgendwann Feierabend und könnten dann bestenfalls sprichwörtlich abschalten. „Fragen wie 'Was muss ich einkaufen?', 'Was zieht das Kind morgen an und welches Frühstück nimmt es mit in die Schule?' oder 'Wen laden wir zu der Geburtstagsfeier am Wochenende ein' geistern zu jeder Tages- und Nachtzeit durch den Kopf.“ Diese Dauerbelastung könne zu chronischem Stress und Erschöpfung führen.

Frauen leisten meist deutlich mehr Care-Arbeit

Besonders Frauen seien davon betroffen, da sie häufig den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit leisteten. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums wenden Frauen täglich rund 40 Prozent mehr Zeit für Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Hausarbeit auf als Männer. Damit sich daran grundlegend etwas ändern könne, müssten sich in einer Beziehung beide Partner aufeinander zubewegen, sagte Schütz.

Ein synchronisierter elektronischer Kalender auf Smartphones könne helfen, Care-Arbeit und Mental Load sichtbarer zu machen und besser zu verteilen. „Wer eine Zuständigkeit abgibt, muss aushalten, dass das erst einmal eine Unsicherheit und auch einen Kontrollverlust bedeutet“, sagte die Psychotherapeutin.

Persönliche Erfüllung durch neue Perspektiven

Im Idealfall stelle ein Partner oder eine Partnerin fest, dass das Übernehmen von Aufgaben auch etwas Erfüllendes haben könne. Ausprobiert werden könne vieles: vom Heimwerken bis zum Geschenkeinpacken. Und wenn am Ende die Aufgabe doch wieder in einem gemeinsamen Beschluss zurück delegiert werde, so sei zumindest bei allen ein anderes Verständnis dafür gewachsen.

Viele Familien seien bereits auf einem guten Weg und auch bereit, sich auf Veränderungen einzulassen, betonte Schütz. „Da ist eine großartige Entwicklung zu beobachten.“ Unentschlossenen oder unsicheren Paaren rate sie, den Blick zu weiten und vielleicht auch im Freundes- oder Bekanntenkreis nach gut funktionierenden Lösungen Ausschau zu halten. „Das kann helfen, um aus den in der eigenen Familie vielleicht seit langer Zeit tradierten Mustern auszubrechen.“