Düsseldorf (epd). Die Stiftung Auschwitz-Birkenau will zu Forschungs- und Erinnerungszwecken weiterhin historisch wertvolle Dokumente von Opfern des NS-Regimes kaufen, die im Internet angeboten werden. Es sei wichtig, Geschichten von Opfern und von Überlebenden zu erhalten und zugänglich zu machen, deren Namen ausgelöscht werden sollten, sagte der Generaldirektor der in Warschau ansässigen Stiftung, Wojciech Soczewica, am Donnerstag in Düsseldorf dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mehr als 80 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau sei es höchste Zeit, „dass wir uns um diese Menschengeschichten kümmern“.
Es gehe um bislang unbekannte Namen von NS-Opfern, menschliche Würde und Informationen über Deportationen, aber auch um Beweise für die NS-Verbrechen, sagte der Projektverantwortliche Matthias Schreiber. Als Beispiel nannte er eine Broschüre aus einer Online-Auktion in Norwegen, die der Auschwitz-Stiftung angeboten und von den Archivaren und Konservatoren zum Ankauf empfohlen worden sei. Das Dokument mit dem Titel „Die rechnerische Erfassung der Verbrennungsvorgänge“ trägt den Stempel einer wissenschaftlichen Bibliothek der damaligen I.G. Farben in Auschwitz. Es belege die perfide und minutiöse Planung des Massenmords in dem KZ.
Spendenaktion zur Finanzierung von Ankäufen gestartet
Ausgangspunkt für die bisherigen treuhänderischen Käufe war eine geplante Auktion mit solchen Erinnerungsstücken im November 2025 in Neuss, die bundesweit für Empörung und Proteste gesorgt hatte. Die Auktion durch das Auktionshaus Felzmann war gestoppt worden, die Dokumente wurden mit Spenden angekauft und der Stiftung Auschwitz-Birkenau übergeben. Sie will die Artefakte den 22 Gedenkstätten in Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich und den Niederlanden übergeben, in die sie gehören.
Um die Ankäufe aus Neuss und zuletzt auch aus Norwegen zu finanzieren, startete die Auschwitz-Stiftung am Donnerstag eine Spendenaktion gemeinsam mit der Bethe-Stiftung in Köln. Bis Ende Juli will die Stiftung bis zu einem Gesamtbetrag von 60.000 Euro alle Einzelspenden von bis zu 3.000 Euro verdoppeln.




