Haushaltskürzungen: Entwicklungshelfer schlagen Alarm

Haushaltskürzungen: Entwicklungshelfer schlagen Alarm
150 Hilfsorganisationen kritisieren geplante Einsparungen im Entwicklungshaushalt 2027. Weltweit seien noch nie so viele Menschen auf Unterstützung angewiesen wie heute.

Berlin (epd). In einem gemeinsamen Appell warnen 150 Entwicklungs- und Hilfsorganisationen vor drastischen Folgen geplanter Kürzungen im Bundeshaushalt 2027. Einschnitte in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe gefährdeten Menschenleben, erklärten Welthungerhilfe, Oxfam und One am Mittwoch in Berlin. Der Haushalt des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) soll laut Entwurf um rund 600 Millionen gekürzt werden.

Der Dachverband der Entwicklungsorganisationen, Venro, kritisierte, dass die Ausgaben seit fünf Jahren rückläufig seien. „Die Lage ist ernst“, sagte Vorstandsmitglied Michael Herbst. Die Zahl humanitärer Krisen steige, zugleich seien die Mittel für humanitäre Hilfe seit 2022 um rund 70 Prozent gekürzt worden. „Deutschland ist ein Teil des Problems.“

Thieme: „Abschied von humanitärer Verantwortung“

Der Verband fordert, den Etat des Entwicklungsministeriums im kommenden Jahr auf mindestens 11,2 Milliarden Euro aufzustocken (bisher rund 10 Milliarden) und die Mittel für humanitäre Hilfe aus dem Auswärtigen Amt auf 2,8 Milliarden (bisher eine Milliarde). Das entspreche in etwa dem Niveau von 2024.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, sprach von einem „Abschied von humanitärer Verantwortung“. Die Einsparungen machten zwar nur rund zwei Prozent des Bundeshaushalts aus, aber sie „kosten Menschenleben“ und schränkten die Möglichkeiten Deutschlands ein, international Verantwortung zu übernehmen.

„Deutschland spart bei der Feuerwehr“

Die Organisation One verwies auf Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit, etwa sinkende Kinder- und Müttersterblichkeit im globalen Süden sowie Fortschritte bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten. „Die Welt brennt, und Deutschland spart bei der Feuerwehr“, sagte Deutschland-Direktorin Lisa Ditlmann.