Kolumbien: Tausende außergerichtliche Hinrichtungen im Bürgerkrieg

Kolumbien: Tausende außergerichtliche Hinrichtungen im Bürgerkrieg
Von 1990 bis 2016 soll das Militär in Kolumbien mehr als 7.800 Zivilisten ermordet und als Guerillakämpfer ausgegeben haben.

Berlin, Bogotá (epd). In Kolumbien hat das Militär laut dem Sondergericht für Frieden von 1990 bis 2016 mindestens 7.837 Zivilisten außergerichtlich hingerichtet. Mit der Mitteilung des Gerichts vom Dienstag (Ortszeit) wurden so weit mehr Fälle erfasst als die bisher bekannten 6.402. Der Untersuchungszeitraum von bisher 2002 bis 2008 sei auf die Jahre 1990 bis 2016 erweitert worden, berichtete die Zeitung „El Espectador“. Dadurch seien viele weitere Fälle hinzugekommen.

Das Sondergericht für Frieden geht davon aus, dass das kolumbianische Militär am bewaffneten Konflikt unbeteiligte Zivilisten ermordete und diese später als Guerillakämpfer ausgab. Ziel war es demnach, anhand sogenannter „falscher Positiven“ die Statistik im Kampf gegen Guerrillas zu beschönigen. Erst im Dezember 2025 verurteilte das Gericht mehrere Militärangehörige wegen solcher Taten.

Gewalt vor den Wahlen

Seit den 1960er Jahren bekämpfen sich in Kolumbien linke Guerillas, rechte Paramilitärs und der Staat. Das Sondergericht für Frieden wurde nach dem 2016 geschlossenen Friedensvertrag mit der Farc-Guerilla eingerichtet, um die Menschenrechtsverbrechen im Konflikt aufzuklären. Entgegen bisherigen Bemühungen der Regierung eskaliert kurz vor der Präsidentschaftswahl am 31. Mai die Gewalt zwischen weiterhin im Land agierenden bewaffneten Gruppen.