Wiesbaden, Berlin (epd). Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Bundesweit wurden rund 106.000 Abtreibungen vorgenommen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das seien 0,7 Prozent weniger als 2024. Die Beratungsorganisation pro familia hält diese „kleine kurzfristige Veränderung für sich genommen nicht für aussagekräftig, weil sie am langfristigen Trend nichts ändert“.
Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche lag laut Statistik aber weiterhin über dem Niveau der Jahre 2014 bis 2020, als die Zahl der gemeldeten Fälle zwischen rund 99.000 und 101.000 betragen hatte. Die Ursachen für die Entwicklung sind laut Bundesamt anhand der Daten nicht zu erkennen. Insbesondere lägen keine Erkenntnisse über die persönlichen Entscheidungsgründe für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung vor.
Die meisten Abtreibungen nach Beratungsregelung
69 Prozent der Frauen, die 2025 eine Abtreibung vornehmen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. 20 Prozent waren im Alter zwischen 35 und 39 Jahren. Neun Prozent der Frauen waren 40 Jahre und älter, drei Prozent waren jünger als 18 Jahre. 44 Prozent hatten vor dem Schwangerschaftsabbruch noch kein Kind zur Welt gebracht.
96 Prozent der im Jahr 2025 gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der sogenannten Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische Komplikationen oder Vergewaltigungen waren in vier Prozent der Fälle die Begründung für den Abbruch.
Meistens kommt Medikament zum Einsatz
2025 erfolgten erstmals die meisten Schwangerschaftsabbrüche, nämlich 45 Prozent, mit dem Medikament Mifegyne, gefolgt von der Absaugmethode (Vakuumaspiration) mit 43 Prozent. Diese war bis 2024 am häufigsten angewendet worden. „Interessant an den Zahlen ist, dass der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch zum ersten Mal die am häufigsten angewandte Methode ist“, sagte eine Sprecherin von pro familia dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Im Ausland sei das schon länger der Fall: in Frankreich, Schweden und der Schweiz würden über 50 Prozent der Abbrüche medikamentös vollzogen. In Deutschland wurde nach ihren Worten der medikamentöse Abbruch lange Zeit seltener angeboten als der chirurgische - aufgrund fehlender Qualifikation, Erfahrung und aufgrund der niedrigeren Honorierung im Vergleich zum chirurgischen Eingriff. „Bessere Qualifizierungsmöglichkeiten und die Verringerung des Aufwands für Ärztinnen und Ärzte durch die zweite Medikamenteneinnahme zu Hause scheinen sich auf die Häufigkeit der Anwendung ausgewirkt zu haben“, sagte die Sprecherin.
Abbrüche erfolgen früher in der Schwangerschaft
Auffällig sei zudem, dass Schwangerschaftsabbrüche immer früher in der Schwangerschaft erfolgten. Knapp die Hälfte wurde 2025 in den ersten sechs Wochen vorgenommen: „Das könnte daran liegen, dass Frauen früher feststellen, dass sie schwanger sind und diese Schwangerschaft nicht austragen wollen.“
Derzeit sind Abtreibungen in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig, innerhalb einer bestimmten Frist und nach einer Beratung aber straffrei. Über eine von zahlreichen Abgeordneten geforderte Liberalisierung des Abtreibungsrechts, wonach Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche nicht mehr im Strafrechtsparagrafen 218 geregelt werden sollen, hatte der Bundestag in der Anfang 2025 zu Ende gegangenen Legislaturperiode nicht mehr entschieden.





