Bonn (epd). Wegen Missbrauchskrise, Priestermangel und Synodalitätsdebatten richtet die katholische Deutsche Bischofskonferenz die Ausbildung des Priesternachwuchses neu aus. Aus der neuen Rahmenordnung, die am Dienstag in Bonn veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die Ausbildung in Zukunft stärker psychologisch, teamorientiert, dezentral, unter Beteiligung von Frauen und mit verbindlichen Standards für alle Bistümer gestaltet wird. Sie ersetzt die Ordnung von 2003 und wurde laut Mitteilung am 11. März 2026 vom Vatikan bestätigt. Sie soll zum 1. Oktober 2026 in Kraft treten.
Der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste in der Bischofskonferenz, der Fuldaer Bischof Michael Gerber, sagte: „Die Kirche der Zukunft braucht qualifizierte Priester, die zusammen mit den unterschiedlichen Gliedern des Volkes Gottes angesichts der großen Herausforderungen die Gegenwart in Kirche und Gesellschaft gestalten können.“ Im Jahr 2025 wurden deutschlandweit nur 25 Männer zu Priestern geweiht.
Sexualisierte Gewalt wird Ausbildungsthema
Die Ausbildung soll in Zukunft nicht nur Fähigkeiten vermitteln, sondern vor allem die menschliche, geistliche, intellektuelle und pastoral-missionarische Reifung fördern. Gerber betonte, angehende Priester müssten ein realistisches Bild von sich selbst gewinnen und Erfahrungen lebenslang in Reifungsprozesse integrieren. Sexualisierte Gewalt, geistlicher Missbrauch und klerikales Fehlverhalten werden künftig zum Ausbildungsthema.
Priester sollen zudem nicht als isolierte Amtsträger ausgebildet werden, sondern praxis- und gemeindenäher. Dazu zählt, dass Priesterkandidaten je nach ihrem Einsatzort auch unterschiedliche Wohnformen wie Seminar, Wohngemeinschaft, Pfarrhaus oder soziale Einrichtung kennenlernen sollen.
Priester werden sei nicht leicht, sagte Gerber. Es sei ein Weg, und er wisse aus seiner früheren Verantwortung in der Priesterausbildung um die Schwierigkeiten, die auf dem persönlichen Weg einer Priesterberufung liegen oder durch die aktuellen gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen entstehen. Das sei aber kein Grund zur Entmutigung, sagte der Bischof.





