Studie: Herkuft und Geschlecht entscheiden über Bildungschancen

Studie: Herkuft und Geschlecht entscheiden über Bildungschancen
Der neue Chancenmonitor von ifo Institut und "Ein Herz für Kinder" zeigt, dass die Bildungschancen der Kinder in Deutschland weiterhin stark von ihrem familiären Hintergrund abhängen. Auch Jungen haben immer stärker das Nachsehen.
28.04.2026
epd
Von Markus Geiler (epd).

Berlin, München (epd). Die Bildungschancen in Deutschland hängen einer neuen Studie zufolge entscheidend von sozialer Herkunft und Geschlecht ab. Dabei fallen Bildung und Einkommen der Eltern besonders stark ins Gewicht, heißt es in dem am Dienstag in Berlin gemeinsam mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) vorgestellten „Chancenmonitor“ des Münchner ifo Instituts. So liege die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, bei nur 16,9 Prozent, wenn ein Kind bei Eltern ohne Abitur aus dem untersten Einkommensviertel aufwächst.

Wachsen Kinder dagegen bei Eltern mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel auf, liegt die Chance für einen Gymnasialbesuch bei 80,3 Prozent. Dabei spielt demnach ein möglicher Migrationshintergrund keine Rolle. „Unsere Analyse zeigt, wie stark die Chance auf einen Gymnasialbesuch von Elternbildung und Einkommen bestimmt wird“, sagte der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann. Auftraggeber des Chancenmonitors ist der Verein „Ein Herz für Kinder“ der „Bild“-Zeitung.

Gender Gap zulasten von Jungen

Auch haben laut ifo-Forscherin Vera Freundl Jungen systematisch geringere Bildungschancen als Mädchen. „Während 43,5 Prozent der Mädchen ein Gymnasium besuchen, sind es nur 36,9 Prozent der Jungen“, sagte Freundl. Im Alter von 16 bis 18 Jahren verstärke sich dieser Gender Gap zulasten der Jungen von 6,6 auf 9,6 Prozentpunkte. Zugleich falle er für Jungen in den obersten Bildungs- und Einkommensgruppen geringer aus.

Bundesbildungsministerin Prien nannte die schlechteren Bildungschancen eines der wichtigen Themen, denen in Deutschland mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse. „Es ist meiner Meinung nach eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme, die wir in Deutschland haben, dass wir für die Jungs mehr tun müssen“, sagte Prien.

Kita „entscheidende Stellschraube“

Zu den allgemeinen Handlungsempfehlungen der Bildungsforscherinnen und -forscher gehören mehr frühkindliche Bildungsangebote, eine stärkere Unterstützung der Familien, gute Lehrkräfte an Schulen mit benachteiligten Kindern und mehr kostenfreie Nachhilfeprogramme. Auch ein späteres Aufteilen der Kinder in verschiedene Schularten und mehr Mentoring-Programme schlagen sie vor.

Prien sagte, die entscheidende Stellschraube sei, in der Kita anzufangen: „Es darf eben nicht passieren, dass Kinder, die kein Deutsch können, nicht in die Kita gehen und keine Chance haben, die Bildungssprache Deutsch vor der Einschulung zu erlernen.“ Gebraucht werde eine verpflichtende Sprachstands- und Entwicklungsdiagnostik und daraus folgend eine verpflichtende Förderung für diejenigen, die es benötigen.

Daten von 68.000 Kindern und Jugendlichen

Um die Bildungschancen für Jungen zu erhöhen, schlagen die Studienautorinnen und -autoren unter anderem mehr männliche Erzieher und Lehrkräfte vor. Auch müssten Geschlechterstereotypen in Unterricht und Erziehung stärker beachtet und Jungen früh bei der Lesekompetenz gefördert werden. Zudem müsse es mehr Zusammenarbeit mit den Eltern geben. Ausgewertet wurden für den „Chancenmonitor“ den Angaben zufolge die Daten von knapp 68.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren, die beim aktuellen Mikrozensus erhoben wurden.