Frankfurt am Main, Bamako (epd). Die Bundesregierung sieht eine massive Angriffsserie am Wochenende in Mali mit Sorge. Zwar scheine sich die Lage stabilisiert zu haben, bleibe aber volatil, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. Deutsche Staatsangehörige seien aufgefordert, sich in einer sicheren Umgebung aufzuhalten und das Land zu verlassen, wenn die Möglichkeit dazu bestehe.
Separatistische und islamistische Gruppen hatten am Wochenende eine der bislang größten Angriffswellen auf Regierungsstellungen gestartet. Am Samstag verübten die Rebellen der „Befreiungsfront von Azawad“ (FLA) und die mit Al-Kaida verbundenen Dschihadisten der „Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime“ (JNIM) koordinierte Angriffe in mehreren Städten des westafrikanischen Landes.
Verteidigungsminister getötet
Ein Angriff konzentrierte sich auf Kati nordwestlich der Hauptstadt Bamako, wo sich das Hauptquartier des malischen Militärs befindet. Dabei wurde Verteidigungsminister Sadio Camara getötet, wie die Junta am Sonntagabend bestätigte. Sein Haus war Ziel eines Selbstmordanschlags mit einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen geworden. Auch innerhalb von Bamako kam es zu Kämpfen. So versuchten Angreifer, wichtige Einrichtungen wie den Präsidentenpalast einzunehmen.
In Kidal hatte sich die Armee mit Kämpfern des russischen Afrikakorps, der Nachfolgeorganisation der Söldnergruppe Wagner, in einer ehemaligen UN-Basis zurückgezogen. Schließlich zogen die russischen Kämpfer nach eigenen Angaben gemeinsam mit den malischen Soldaten ab. Sie verließen Kidal mit gehisster weißer Fahne. Zuvor hatte die Rebellengruppe FLA die Russen in einer Erklärung aufgefordert, ihr „Engagement auf Seiten der Militärjunta von Bamako zu überdenken“.
Angriffe in mehreren Städten
Während die malische Regierung während des gesamten Wochenendes still blieb, erklärte das russische Afrikakorps, die Terrorgruppen JNIM und FLA hätten mit Unterstützung westlicher Nachrichtendienste einen Staatsstreich versucht. Unter anderem kam es auch zu Kämpfen in den Städten Gao und Sévaré.
Seit einem Putsch im Jahr 2020 wird Mali von General Assimi Goïta regiert. Wo sich dieser derzeit aufhält, ist nicht bekannt. Der Machtwechsel stieß zunächst auf breite Unterstützung, denn Goïta versprach, die seit Langem andauernde Sicherheitskrise zu bewältigen, die durch den Tuareg-Aufstand im Norden ausgelöst und später von islamistischen Militanten vereinnahmt worden war. Die dschihadistischen Aufstände halten jedoch an, und weite Teile des Nordens und Ostens befinden sich außerhalb der Kontrolle der Militärregierung.





