München (epd). Auch mehr als 20 Jahre nach der gesetzlichen Ächtung von Gewalt in der Erziehung hält sich die Vorstellung vom harmlosen „Klaps auf den Po“ bei vielen Menschen hartnäckig. Die noch vorzufindende Ansicht „Das hat mir auch nicht geschadet“ sei aber grundfalsch, sagte Barbara Mühlenhoff-Wirth, Leiterin der Stabsstelle Kinder- und Betreutenschutz bei SOS-Kinderdorf: „Etwas, was ich selbst erlebt habe, darf nicht der Maßstab sein für das, was ich weitergebe.“ Gewaltfreie Erziehung sei eine bewusste Entscheidung.
Laut Mühlenhoff-Wirth bedeutet gewaltfreie Erziehung nicht, dass Kinder alles bestimmen oder Eltern auf Anleitung verzichten. Entscheidend seien Klarheit, Verlässlichkeit und Beziehung; Leitung dürfe nicht über Macht und Abwertung laufen. Auch in Stresssituationen bleibe es Aufgabe der Erwachsenen, Verantwortung zu übernehmen, statt sie an das Kind abzugeben. Hilfreich seien kurze Unterbrechungen, etwa den Raum zu wechseln, tief durchzuatmen oder sich mit einem Schluck kaltem Wasser oder sauren Drops zu sammeln.
Mehr Unterstützung für belastete Familien
In belasteten Familien, etwa bei Alleinerziehenden oder in Pflegesituationen, braucht es laut der Expertin Einschätzung mehr Unterstützung. Wer selbst die Kontrolle verliere und bereits abgewertet oder geschlagen habe, solle Verantwortung übernehmen, sich ehrlich mit dem eigenen Verhalten auseinandersetzen und Hilfe suchen. Auch Kinder sollten sich an Vertrauenspersonen wenden, wenn ihnen zu Hause Gewalt widerfahre, sagte sie mit Blick auf den „Tag der gewaltfreien Erziehung“ an diesem Donnerstag (30. April).
Das Recht auf gewaltfreies Aufwachsen gelte aber nicht nur im Elternhaus, sondern auch in Schule, Kita und Sportverein, betonte die Expertin.




