Katholische Bischöfe wollen Europa Mut machen

Katholische Bischöfe wollen Europa Mut machen
Die deutschen katholischen Bischöfe sorgen sich um Europa und appellieren in einem Zwischenruf an das Selbstbewusstsein der europäischen Institutionen. Die Welt brauche ein starkes Europa als wertebasierten Zusammenschluss verschiedener Länder.
24.04.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Bonn (epd). Angesichts zahlreicher multilateraler Krisen hat die katholische Deutsche Bischofskonferenz die Bedeutung der europäischen Idee bekräftigt. „Die Welt ist in Aufruhr, der bestehenden globalen Ordnung droht ein Umbruch. Deswegen braucht die Welt die Wertegemeinschaft, die Europa verkörpert“, heißt es in einem am Freitag in Bonn veröffentlichten Aufruf „Europa, zeigʼ dich selbstbewusst“. Europa brauche den Mut, seine Werte selbstbewusst zu vertreten.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, erklärte, ihm sei in diesen Zeiten der Frieden besonders wichtig. Europa sehe er in der besonderen Verantwortung, die Gültigkeit des Völkerrechts einzufordern und mutig für verlässliche, multilateral koordinierte Regeln einzustehen, sagte der Hildesheimer Bischof laut Mitteilung der Bischofskonferenz. Die Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss aller deutschen katholischen Bischöfe, derzeit hat sie 61 Mitglieder.

Geopolitischer Epochenwechsel

Die katholische Kirche habe die europäische Einigung von Beginn an als Friedensprojekt befürwortet und begleitet. Die jüdisch-christliche Idee der unveräußerlichen Würde jedes Menschen finde sich auch in den grundlegenden Werten der EU wieder, heißt es in dem Papier. Bereits im Februar hatten die Vorsitzenden der italienischen, französischen, polnischen und deutschen Bischofskonferenzen einen Appell zur Zukunft Europas verfasst, der an die christlichen Wurzeln Europas erinnerte und Christen motivierte, sich für die europäische Sache zu engagieren.

Die Bischöfe beschreiben einen geopolitischen Epochenwechsel. Die Allianz zwischen der EU und den USA sowie die Idee des „Westens“ seien erschüttert. Europa werde zudem von Russland und China politisch und wirtschaftlich unter Druck gesetzt. Deswegen werde das vereinte Europa gebraucht. Doch „das vereinte Europa steht auf dem Spiel“, heißt es in dem Papier.

„Viele Menschen sind verunsichert“

Die Versprechen der europäischen Integration verlieren laut den Bischöfen auch in der EU an Überzeugungskraft. „Viele Menschen sind verunsichert, erleben gesellschaftliche Polarisierung und spüren Transformationsdruck. Das befördert das Gefühl, demokratische Politik sei zu langsam oder abgehoben.“

Dieser Eindruck werde gezielt durch autoritäre und antiliberale Akteure außerhalb wie innerhalb der EU verstärkt, die populistische Deutungsmuster einsetzten, um die liberale parlamentarische Demokratie und die europäische Integrationsleistung infrage zu stellen.

„Erzählung der Hoffnung“ wichtig

Daher appellieren die Bischöfe: „Im Epochenwechsel und in einer Welt in Unordnung ist ein selbstbewusstes Europa als Verteidigerin des Friedens sowie als Raum der Achtung und Wahrung von Menschenwürde und Menschenrechten von überragender Bedeutung.“

Diese Aufgabe können die europäischen Staaten nur gemeinsam bewältigen. Dazu brauche es „den unerschütterlichen Willen zu fairer und solidarischer Zusammenarbeit“ sowie ein klares Bekenntnis zu Europas ideellem Fundament: zu Menschenwürde, Menschenrechten, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Multilateralismus. Neben einem selbstständigen Sicherheits- und Verteidigungskonzept sei aber auch „eine Erzählung der Hoffnung“ vonnöten.