Schutzgemeinschaft: Seekabel bedroht Trinkwasser von Langeoog

Schutzgemeinschaft: Seekabel bedroht Trinkwasser von Langeoog
Um den Strom von Offshore-Windparks an Land zu bringen, soll unter der Insel Langeoog ein Seekabel verlegt werden. Doch dort befindet sich ein natürlicher Trinkwasserspeicher, der die Insel versorgt.

Varel (epd). Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste warnt vor der Verlegung einer Hochspannungsleitung unter der ostfriesischen Insel Langeoog. Die von der Firma Tennet geplante Leitung soll Windkraftanlagen in der Nordsee mit dem Festland verbinden. Mit den Vorhaben seien erhebliche Risiken für Natur, Trinkwasserversorgung und Tourismus verbunden, teilte die Schutzgemeinschaft am Donnerstag in Varel mit. Besonders problematisch sei die mögliche Gefährdung der Süßwasserlinse unter der Insel, die Langeoog vollständig mit Trinkwasser versorgt.

Laut der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr soll die Leitung „BalWin5 Seeseite“ zwei Windparks mit dem Festland verbinden. Die rund 325 Kilometer lange Trasse soll 210 Kilometer auf See und rund 115 Kilometer zu Lande verlaufen. Mit einem Horizontalspülbohrverfahren soll die Leitung die Insel Langeoog unterqueren und durch das Watt und das Riffgat bis zum Festland bei Neuharlingersiel reichen. Die Behörde schließt „erhebliche Beeinträchtigungen“ für die betroffenen Naturschutzgebiete aus.

Existenzgrundlage der Insel bedroht

Das beurteilt die Schutzgemeinschaft anders: „Ein Eingriff in dieses sensible System kann nicht kompensiert werden und gefährdet die Existenzgrundlage der Insel“, hieß es. Die geplante Trasse durchlaufe zentrale Schutzgebiete, darunter das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sowie EU-Vogelschutz-Gebiete. Laut dem Naturschutzbund Deutschland drohten erhebliche Beeinträchtigungen für Seehunde sowie Brut- und Zugvögel.

Umweltschonendere Alternativen entlang bereits bestehender Infrastrukturkorridore seien nicht ausreichend geprüft worden, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der Schutzgemeinschaft, Ulrich Birstein: „Wer glaubt, man könne durch das Wattenmeer einfach eine neue Schneise schlagen, hat weder die Dynamik der Nordsee noch die Verantwortung gegenüber den Inseln verstanden. Hier geht es nicht nur um Natur - hier geht es um Lebensgrundlagen.“