Berlin (epd). In der Rentendebatte fordern Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter eine Stärkung der gesetzlichen Altersvorsorge. „Die Rente muss zum Leben reichen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes, Thomas Otto, am Mittwoch in Berlin. „Der aktuelle Diskurs und die Kürzungsdebatten gehen an den Erwartungen der Bevölkerung vorbei.“
Otto verwies auf die Ergebnisse der Umfrage „Sozialstaatsradar 2026“, die er gemeinsam mit Vertretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Arbeitnehmerkammer Bremen vorstellte. Demnach zeigten sich 74 Prozent der Befragten bereit, höhere Beiträge zu zahlen, damit das heutige Rentenniveau weiter gehalten werden kann. Zwischen den verschiedenen Altersgruppen gab es bei dieser Frage nur wenige Unterschiede. Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters orientiert an der Lebenserwartung lehnten 74 Prozent der Befragten ab.
Piel: Kanzler soll Lösungen vorlegen
Zudem wünschten sich laut der Umfrage 77 Prozent, dass mehr Menschen als bisher in die gesetzliche Rente einzahlen. Dies wäre zum Beispiel bei einer Erwerbstätigenversicherung der Fall, die auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete umfassen würde. Es werde deutlich, „dass die Menschen eine solidarische Absicherung im Alter wollen“ und keine weitere Verlagerung dieser Aufgabe ins Private, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.
Sie kritisierte die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der zu Wochenbeginn gesagt hatte, die gesetzliche Rentenversicherung werde künftig „allenfalls noch die Basisabsicherung für das Alter sein“ und nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern. Von einem Kanzler werde erwartet, dass er nicht den Status quo beschreibe, „sondern dass er Lösungen vorlegt“, sagte Piel.
Für den „Sozialstaatsradar“ wurden im Januar 3.000 Menschen vom Unternehmen uzbonn online befragt. Die Ergebnisse sind den Angaben zufolge repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.




