Nairobi (epd). Im Westen der äthiopischen Konfliktregion Tigray ist die Bevölkerung laut Human Rights Watch entlang ethnischer Linien Unterdrückung und Diskriminierung ausgesetzt. Menschen, die zur Volksgruppe der Tigray gehören, würden willkürlich verhaftet, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch in Nairobi. Ihre Bewegungsfreiheit würde von den Behörden ebenso eingeschränkt wie der Zugang zu Arbeit und staatlichen Dienstleistungen. Sie würden als Bürger zweiter Klasse behandelt. HRW forderte die äthiopische Regierung zu unabhängigen Untersuchungen auf.
Die Region in West-Tigray ist schon lange umstritten: Tigray beansprucht sie für sich, auch die angrenzende Region Amhara erhebt Ansprüche. Seit dem Krieg in Tigray zwischen der Befreiungsfront von Tigray (TPLF) und der äthiopischen Zentralregierung von 2020 bis 2022 verwaltet Amhara die Region; amharische Milizen hatten an der Seite der äthiopischen Armee gegen die TPLF gekämpft.
Keine Rückkehr möglich
Hunderttausende seien in den vergangenen Jahren aus West-Tigray vertrieben worden und lebten bis jetzt in Flüchtlingslagern im Zentrum der Region Tigray unter menschenunwürdigen Bedingungen, erklärte Human Rights Watch. Die Lage in ihrer Heimat mache eine Rückkehr unmöglich. Offiziell habe die Zentralregierung erklärt, es solle ein Referendum über die Zugehörigkeit des umstrittenen Landstrichs geben, um den Status zu klären. Schritte in diese Richtung gebe es bisher aber nicht.




