Gießen, Hünfeld (epd). Mit Freiräumen in Justizvollzugsanstalten befasst sich die Evangelische Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland bei ihrer Jahrestagung im Mai in Hünfeld. „Neue Gefängnisse sind bis in jeden Winkel hinein kameraüberwacht“, sagte der Gießener Gefängnisseelsorger und Mitorganisator der Tagung, Johannes Blum-Seebach, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Trotzdem ergäben sich Freiräume, diesen wollten die Seelsorger nachgehen. Die Tagung von 4. bis 8. Mai steht unter dem Titel „In meinem Gefängnis bin ich selbst der Direktor“.
Die Gefängnisseelsorge positioniere sich in einem Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Subversion, in dem das Gefängnis stehe. So versuchten die Gefangenen teilweise, die Überwachung zu unterlaufen. In den vergangenen Jahren habe sich in den Gefängnissen - parallel zur Entwicklung in der Gesamtgesellschaft - die Drogenproblematik verschärft, sagte Blum-Seebach. Immer wieder würden in Gefängnissen Drogen und Handys entdeckt. „Das führt dann zu strengeren Regeln für alle.“
Seelsorgegeheimnis ist „Pfund“
Zu den noch bestehenden Freiräumen gehöre das Angebot der Seelsorge. „Wir haben das Pfund des Seelsorgegeheimnisses: Nichts wird weitererzählt“, betonte Blum-Seebach. Die Gefängnisseelsorge mache auch Angebote zu Kunst, Musik oder Gesprächen, zudem biete der meist wöchentliche Gottesdienst Freiräume.
Im Prinzip hätten noch alle Justizvollzugsanstalten in Deutschland eine evangelische und katholische Gefängnisseelsorge, die jedoch vor allem im Osten oft nur über Teildienstaufträge abgedeckt werde, sagte Blum-Seebach: „Die Seelsorge ist seit Jahrzehnten verlässlicher Partner der Justiz.“



