Oldenburg (epd). Ein Jahr nach den tödlichen Polizeischüssen auf Lorenz A. in Oldenburg haben rund 700 Menschen mit einer Demonstration an ihn erinnert. Die Teilnehmer versammelten sich laut Polizei zunächst zu einer Kundgebung und zogen dann durch die Innenstadt. Der damals 21-jährige Lorenz A. starb laut Obduktionsergebnis am 20. April 2025 durch drei Polizeikugeln, die ihn in den Rücken trafen.
Bei der Kundgebung hielten Menschen Plakate hoch mit Aufschriften wie „No justice - no peace - disarm the police“ oder „stop killing our sons“. Neben Lorenz A. wurde mit einem Transparent auf der Bühne an weitere Opfer von Polizeigewalt aus dem ganzen Bundesgebiet gedacht.
Gerichtliche Aufarbeitung steht aus
Die Staatsanwaltschaft erhob Anfang November vergangenen Jahres Anklage gegen den damals 27-jährigen Schützen wegen fahrlässiger Tötung. Nach ihren Angaben soll der Getötete zuvor Reizgas in Richtung von Polizisten gesprüht haben und dann an ihnen vorbeigelaufen sein. Er habe versucht, zu fliehen.
Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen, auch weil der Getötete eine schwarze Hautfarbe hatte und die Frage nach möglichem Rassismus im Raum stand. Ein vorsätzliches Tötungsdelikt kann dem angeschuldigten Polizeibeamten nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht vorgeworfen werden. Der Polizist sei davon ausgegangen, mit einem Messer angegriffen zu werden.
Obwohl der Tod bereits ein Jahr zurückliegt, ist weiter unklar, ob das Landgericht Oldenburg die Anklage zulässt. Die zuständige Kammer sei derzeit mit einem anderen umfangreichen Verfahren befasst, sagte ein Sprecher des Landgerichts in einem Bericht des NDR. Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ warf der Staatsanwaltschaft in ihrem Demonstrationsaufruf in den sozialen Medien schleppende Ermittlungen und der Polizei strukturellen Rassismus vor.



