Suchtexperten: Alkohol an 200 verschiedenen Krankheiten beteiligt

Suchtexperten: Alkohol an 200 verschiedenen Krankheiten beteiligt
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen warnt, die Gefahren durch Alkoholkonsum zu unterschätzen. Hierzulande schaden sich nach ihrer Darstellung fast vier Millionen Menschen durch ein problematisches Trinkverhalten.

Hamm (epd). Alkoholkonsum führt nach Einschätzung von Suchtexperten in Deutschland jedes Jahr zu rund 44.000 Todesfällen. Alkohol gehöre damit zu den führenden vermeidbaren Todesursachen, teilte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bei der Veröffentlichung ihres Jahrbuchs 2026 am Donnerstag in Hamm mit. Demnach weisen mindestens 3,86 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren hierzulande ein problematisches Trinkverhalten auf. Fachleute gingen jedoch „davon aus, dass diese Zahlen die tatsächliche Verbreitung eher unterschätzen“.

Rund 1,7 Millionen Erwachsene tränken Alkohol missbräuchlich, 2,16 Millionen seien alkoholabhängig. Missbräuchlicher Konsum führt nach Definition der Caritas zu körperlichen, seelischen und/oder sozialen Schäden. Die Schwelle zur Alkoholabhängigkeit sei erreicht, wenn jemand Alkohol brauche, um sich wohl zu fühlen.

Kein unbedenklicher Konsum

Francesca Borlak, Suchtmedizinerin und Mitautorin des DHS-Jahrbuchs, warnte vor einem Unterschätzen der Gefahren: „Es gibt keinen gesundheitlich unbedenklichen oder gar gesundheitsförderlichen Konsum“, erklärte sie. Schon gelegentliches Trinken gehe mit einem steigenden Risiko für gesundheitliche Schäden einher. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) stünden Bier, Wein, Schnaps und Co. „mit bis zu 200 verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang“.

Bei Männern gingen etwa sieben Prozent aller vorzeitigen Todesfälle auf Alkoholkonsum zurück. „Frauen trinken insgesamt zwar meist weniger Alkohol als Männer, doch diese Lücke verringert sich zunehmend“, hieß es. Bei gleichem Konsumniveau erlitten sie oft schwerere gesundheitliche Schäden.

Unrühmliche Rolle Deutschlands in Europa

Zwischen 2019 und 2024 habe jede Person ab 15 Jahren aufwärts im Schnitt 10,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr getrunken - dabei seien sowohl diejenigen berücksichtigt, die Alkohol trinken, als auch Menschen, die komplett abstinent leben. Die Hauptstelle forderte, die Steuern auf Alkohol zu erhöhen sowie die Verfügbarkeit einzuschränken.