Sudan-Konferenz: Hilfsorganisation mahnt diplomatischen Druck an

Sudan-Konferenz: Hilfsorganisation mahnt diplomatischen Druck an
Zum dritten Jahrestag des Sudan-Kriegs kommen in Berlin Diplomaten zu einer internationalen Sudan-Konferenz zusammen. Die Hilfsorganisation IRC hofft auf Besserungen für die Bevölkerung.
15.04.2026
epd
epd-Gespräch: Moritz Elliesen

Berlin (epd). Vor der internationalen Konferenz zum Sudan-Krieg in Berlin fordert die Hilfsorganisation IRC mehr Druck auf die Konfliktparteien zum Schutz der Zivilbevölkerung. „Die Gewalt hat ein Ausmaß erreicht, das uns sehr erschrecken lässt“, sagte Helena Lüer, Politische Beraterin bei IRC Deutschland, dem Evangelischen Pressedienst (epd). In vielen Teilen des afrikanischen Landes eskaliere der Konflikt derzeit weiter, eine Waffenruhe sei nicht in Sicht. Umso wichtiger sei es, Zivilistinnen und Zivilisten zu schützen und sicherzustellen, dass humanitäre Organisationen frei arbeiten können, sagte Lüer.

„Es braucht diplomatischen Druck auf die Sponsoren der Konfliktparteien, um beim humanitären Zugang voranzukommen“, sagte Lüer. Zwar seien weder die sudanesische Armee noch die „Rapid Support Forces“ (RSF) in Berlin anwesend. Allerdings seien Länder eingeladen, die gute Beziehungen zu den beiden Kriegsparteien hätten, etwa die Vereinigten Arabischen Emirate oder Ägypten. Dies sei ein Ansatzpunkt für die Bundesregierung. „Es gibt sehr gute Verbindungen, die für humanitäre Zwecke genutzt werden sollten“, unterstrich Lüer.

Krieg seit drei Jahren

Zum dritten Jahrestag des Krieges organisiert Deutschland gemeinsam mit der EU, Frankreich, Großbritannien und den USA am Mittwoch eine internationale Sudan-Konferenz in Berlin. Sie soll Aufmerksamkeit sowie mehr Hilfe für die Bevölkerung mobilisieren und Wege aus dem Krieg finden.

Die IRC-Vertreterin berichtete von zahlreichen Herausforderungen für Hilfsorganisationen im Sudan. „Helferinnen und Helfer werden regelmäßig Opfer von Gewalt, vor allem lokale Mitarbeitende.“ Zudem sei die Bewegungsfreiheit im Land eingeschränkt. „All das kostet viel Zeit und Geld und verzögert unsere Arbeit“, sagte Lüer und betonte: „Jeder Tag ohne humanitären Zugang gefährdet Menschenleben.“

Mehr als 33 Millionen Menschen brauchen Hilfe

Zugleich forderte Lüer deutlich mehr Geld für die humanitäre Hilfe. „Insbesondere erhoffen wir uns von der Bundesregierung, dass sie ihre Zusagen deutlich aufstockt“, sagte sie. Zum Beispiel seien Schutzprogramme, die unter anderem Betroffene von sexualisierter Gewalt unterstützen, nur ungefähr zu 14 Prozent finanziert. „Wenn die Gewalt gegen Frauen und Mädchen immer wieder angeprangert wird, sollte dies auch finanziell unterfüttert werden.“

Laut den UN sind mehr als 33 Millionen Menschen im Sudan auf Hilfe angewiesen, etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Der Hilfsplan ist zu lediglich 16,6 Prozent finanziert. Deutschland hat vergangenes Jahr mehr als 160 Millionen Euro für den Sudan und seine Nachbarländer zur Verfügung gestellt. Die weltweit tätige Hilfsorganisation IRC („International Rescue Committee“) ist nach eigenen Angaben seit 1981 im Sudan aktiv und unterstützt unter anderem Geflüchtete.