Berlin (epd). Drei Fachgesellschaften aus dem Bereich Suchtforschung und Psychiatrie sehen den Konsum von Cannabis nach wie vor als riskant an. Der zweite Zwischenbericht des Forschungsprojekts zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN) zeichne ein zu positives Bild der Teillegalisierung und dürfe nicht als Entwarnung verstanden werden. Das geht aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) hervor, die am Freitag in Berlin veröffentlicht wurde.
DGKJP-Präsident Michael Köhler warnte: „Während die Zahl der Konsumierenden zwar insgesamt stabil bleibt, ist der Anteil derjenigen mit schädlichen oder abhängigen Konsummustern gestiegen.“ Das sei insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Fall. Zudem nähmen weniger von ihnen Suchtberatungsangebote und Frühintervention wahr.
Für eine Evaluation noch zu früh
Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Präsidentin der DGPPN, äußerte Kritik daran, dass die Befragungen, die Grundlage für den Bericht waren, zeitlich zu nahe am Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes gelegen hätten. Die Effekte einer Legalisierung könne man „frühestens nach fünf, realistischer nach zehn Jahren“ erkennen.
Der Zwischenbericht, der Ende September veröffentlicht worden war, kam zu dem Schluss, dass die Teillegalisierung von Cannabis im Frühjahr 2024 bislang kaum Folgen für das Konsumverhalten hatte. Das Projekt EKOCAN wurde vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragt. Bestimmte Auswirkungen des Cannabis-Gesetzes ließen sich erst mit größerem Abstand bestimmen, hatte der Hamburger Projektkoordinator Jakob Manthey im September gesagt.



