Mainz (epd). Bereits vor rund 125.000 Jahren haben Neandertaler in Mitteleuropa nicht nur Großsäugetiere, sondern auch Sumpfschildkröten gejagt. Zu dieser Erkenntnis kam ein deutsch-niederländisches Forscherteam bei Grabungen im ehemaligen Braukohletagebau Neumark-Nord bei Halle, wie die Johannes Gutenberg-Universität Mainz am Mittwoch mitteilte. Dabei gehen die Archäologen nicht davon aus, dass die Schildkröten als Nahrungsmittel dienten. Zahlreiche Fundstücke deuteten vielmehr darauf hin, dass die Panzer der Reptilien als Schöpflöffel genutzt wurden.
Gegen die Theorie, dass auch Schildkröten eine große Bedeutung für den Speiseplan der Neandertaler hatten, spreche die damals vorhandene Fülle kalorienreicher großer Beutetiere. In Neumark-Nord seien weit mehr als 100.000 Tierknochen und Fragmente gefunden worden, darunter etliche von Hirschen, Wildrindern, Pferden und den einst in Mitteleuropa heimischen Waldelefanten. „Sumpfschildkröten haben mit ihrem Gewicht von rund einem Kilogramm einen vergleichsweise geringen Nährwert“, erklärte Studienleiterin Sabine Gaudzinski-Windheuser. „Allerdings sind sie relativ leicht zu fangen und wurden deshalb vielleicht von Kindern gejagt.“ Die Studie erschien in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Scientific Reports“.





