Berlin (epd). Mehr als ein Jahr nach dem Ende des Bürgerkriegs bleibt eine Rückkehr nach Syrien laut dem Sprecher der Syrischen Gemeinde in Deutschland, Sadiqu Al-Mousllie, weiterhin schwierig. In den kommenden drei Jahren einen Großteil der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer zurückzuschicken, „ist ein unrealistisches Ziel, das nicht zu bewerkstelligen sein wird“, sagte Al-Mousllie dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Außenminister Johann Wadephul (CDU) habe die Lage bei seinem Besuch in Damaskus sehr realistisch eingeschätzt. „Da ist vielerorts kein Stein mehr auf dem anderen.“ Ähnlich sehe es in großen Teilen des Landes aus. Man könne den Leuten jetzt nicht einfach sagen: „Na los, geht zurück, ihr werdet das Land schon aufbauen.“ Es fehle an ganz elementaren Voraussetzungen, damit Familien dort überhaupt wieder leben könnten.
Es fehlt an Wohnungen und Schulen
Schwierigkeiten sieht Al-Mousllie wegen der massiven Zerstörung der Wohngebäude. Zwar hätten die meisten Menschen in Syrien wieder ein festes Dach über dem Kopf. „Aber etwa 1,3 Millionen Menschen leben noch immer in Zelten.“ Auch seien gerade in ländlichen Gebieten noch keine Schulen vorhanden. „Die Leute haben sich zusammengetan und versuchen, halb zerstörte Gebäude wieder aufzubauen, und nutzen Tücher, um Klassenzimmer zu bilden.“
Der Krieg im Iran stelle Syrien derzeit vor eine zusätzliche Herausforderung. „Länder wie Saudi-Arabien, Katar oder die Arabischen Emirate haben Syrien seit dem Sturz der Assad-Regierung stark unterstützt und in den Wiederaufbau investiert.“ Dass sie jetzt selbst unter iranischem Beschuss stehen, mache es schwierig, Syrien zu helfen und „wirklich etwas voranzubringen“.
„Man muss sich ein Bild der Lage machen“
Vielen Syrerinnen und Syrern bereitet der Gedanke an die Rückkehr in ihr Heimatland Sorge, sagte Al-Mousllie. „Viele sind schon seit mehr als zehn Jahren außerhalb des Landes.“ Wieder zurückzugehen würde für sie bedeuten, „die familiäre Infrastruktur noch einmal ganz neu aufzubauen“. Zudem müssten sie sich erst einmal ein Bild von der Lage vor Ort verschaffen können.
Doch für diejenigen, die nur über einen subsidiären Schutzstatus verfügten, sei das derzeit kaum möglich, weil sie dann womöglich nicht mehr nach Deutschland einreisen könnten. „Jemand, der Angst hat, dass er nicht mehr zurückkehren kann, wird nie freiwillig ausreisen“, sagte Al-Mousllie.
Rückkehrer würden Lücke hinterlassen
In Deutschland müsse man sich auch über einen drohenden Fachkräftemangel bewusst sein. Syrerinnen und Syrer, die nach mehr als zehn Jahren wieder in ihrer Heimat zurückkehrten, „würden eine große Lücke im medizinischen Bereich, in der IT-Branche oder auch in der Logistik hinterlassen“, sagte Al-Mousllie.



