Deutsche Bistümer und Landeskirchen planen mit weniger Gotteshäusern

Deutsche Bistümer und Landeskirchen planen mit weniger Gotteshäusern
Weniger Mitglieder, weniger Geld: Die Kirchen in Deutschland straffen ihren Gebäudebestand. Im Fokus stehen Sakralbauten: Neue Nutzungskonzepte und Partner sollen deren Erhalt sichern. 1.000 Kirchen wurden seit 2015 schon umgenutzt oder verkauft.

München (epd). Deutsche Städte und Dörfer sind geprägt von ihren Kirchenbauten: Über 44.000 Gotteshäuser gibt es aktuell zwischen Alpen und Küste. Seit 2015 sind allerdings bereits rund 1.000 Gotteshäuser umgenutzt, verkauft oder abgerissen worden, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei den 20 evangelischen Landeskirchen und 27 katholischen Bistümern ergeben hat. Der Trend wird sich fortsetzen: Viele Kirchenverwaltungen rechnen aufgrund von Mitgliederrückgang und sinkenden Einnahmen damit, dass es in 20 Jahren deutlich weniger sakral genutzte Kirchen in Deutschland geben wird.

Dabei sind Verkauf oder gar Abriss für die meisten nur das letzte Mittel. Erklärtes Ziel sei, durch externe Partner und neue Nutzungskonzepte so viele Gotteshäuser wie möglich zu erhalten, heißt es in den vorliegenden Antworten von 42 Umfrage-Teilnehmern. Unkonventionelle Umnutzungen gibt es beispielsweise in den Bistümern Aachen und Hildesheim: Während in Aachen 13 Kirchen als Columbarien, also Begräbniskirchen für Urnenbestattungen, dienen, soll in Hildesheim künftig eine Kirche zur Sternwarte umgerüstet werden.

Hörspielkirche, Boulderchurch und Synagoge

Die Protestanten in Berlin-Brandenburg haben derweil eine Hörspielkirche im Angebot sowie die ehemalige Schlosskirche Cottbus, die heute eine Synagoge ist. Im vorigen Jahr sorgte die „Boulderchurch“ in Bad Orb für Aufsehen, wo aus einer katholischen Kirche ein Ort für Kletterer geworden ist. Häufig werden auch Kooperationen mit anderen christlichen Gemeinschaften angestrebt.

Je fünf Landeskirchen und Bistümer arbeiten in ihrem Prozess zur Gebäudeplanung mit konkreten Vorgaben, die einen Finanzierungsstopp für 30 bis 40 Prozent des Gebäudebestands anstreben. Die anderen 32 Verwaltungen gaben an, beim Thema Immobilienabbau auf eine Quote zu verzichten. Besonders schwierig gestalte sich die Umnutzung von Gotteshäusern unter Denkmalschutz - das trifft laut epd-Umfrage auf deutlich über 30.000 Kirchen zu.