Frankfurt a.M. (epd). Evangelische und katholische Kirche haben am Karfreitag zu Mitgefühl und Versöhnung aufgerufen. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, warnte davor, sich an das Leid und die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und anderswo zu gewöhnen. „Das vergossene Blut klagt die Mächtigen an: Sucht Wege zu einem gerechten Frieden“, erklärte die Hamburger Bischöfin. Der Limburger Bischof Georg Bätzing warnte angesichts von Kriegen und Krisen auf der Welt vor einer zunehmenden „Mitgefühlsmüdigkeit“ in der Gesellschaft.
Die EKD-Ratsvorsitzende Fehrs mahnte: „Wir dürfen uns nicht gewöhnen an die brennenden Städte und verwüsteten Landstriche, an den tausendfachen Tod durch Drohnen und Raketen. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an Völkerrechtsbruch und Menschenrechtsverletzungen.“ Die Bischöfin rief dazu auf, Menschlichkeit zu leben, für andere da zu sein, „auch wenn man sich eher zurückziehen möchte vor lauter Furchtbarkeiten in dieser Welt“. Sie erinnerte an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. Der Tod am Kreuz werde zum Anfang einer neuen Hoffnung.
Bätzing ruft zu mehr Mitgefühl auf
Der Limburger Bischof Bätzing warnte vor einer zunehmenden „Mitgefühlsmüdigkeit“ angesichts von Kriegen und Krisen. Noch ein neuer Krieg, Gewalt und das Leid unzähliger Menschen - all das überfordere viele, sagte er in seiner Predigt am Karfreitag. „Es ist einfach zu viel, um innerlich Anteil zu nehmen“, unterstrich der frühere Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. „Bei solcher Abstumpfung gegenüber dem Leid anderer spricht man von 'Compassion fatigue' - Mitgefühlsmüdigkeit“, sagte Bätzing. Zugleich verwies er auf das Beispiel Jesu, der selbst in den bittersten Stunden seines Leidens das Mitleiden nie aufgegeben habe.
Der Berliner evangelische Bischof Christian Stäblein rief dazu auf, bei Unrecht und Grausamkeit nicht zu schweigen. „Manchmal ist da die Sorge, dass wir stumm werden“, sagte er in seiner Predigt in der Berliner Marienkirche: „Dass keiner mehr schreit. Dass all das Elend geschieht, und niemand sagt etwas laut. Die unfassbar vielen Toten im Südsudan. Die Hölle des Milizenkrieges. Und niemand sagt etwas?“ Stäblein erinnerte an den Schrei von Jesus Christus, der bei seiner Kreuzigung am Karfreitag seinen Schmerz laut herausgeschrien habe.
Kopp unterstreicht die Kraft der Versöhnung
Der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp erinnerte am Karfreitag an die Kraft der Versöhnung. „Ohne Versöhnung wird das Leben hart und bitter“, sagte er in seiner Predigt in der Nürnberger Lorenzkirche. Es gebe derzeit „zu viel Irrsinn in der Welt“: „Die einen nennen es Umbruchjahre, Zeitenwende, Achsenzeit.“ Es seien auf jeden Fall sehr anstrengende Jahre für die Menschen. Gegenwärtig seien Versöhnung und Ausgleich besonders dringlich. „Christinnen und Christen suchen immer die Versöhnung.“
Die badische Landesbischöfin Heike Springhart ermutigte Christen zu unverdrossener Hoffnung. Gottes Botschaft laute: „Es geht weiter. Selbst nach dem Tod“, sagte sie. „Wir leben in einer Karsamstagszeit. Niemand weiß, was als nächstes kommt“, erklärte die Theologin. Sie verwies auf das Motto der amerikanischen United Church of Christ (UCC): „Setz keinen Punkt, wo Gott ein Komma setzt.“ Während das Kreuz am Karfreitag ein Ende setze, ziehe sich über den stillen Karsamstag bis zum Ostermorgen eine Linie, „die aus dem Punkt ein Komma macht“.
Gohl: Versöhnung ist kein Automatismus
Auch der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl thematisierte in seiner Predigt die gegenwärtigen Kriege in der Welt. Die Dunkelheit der Welt rühre von Menschen her, die Gottes Rolle an sich reißen wollten, sagte er in der Stuttgarter Stiftskirche. Gohl betonte, dass echte Versöhnung kein Automatismus sei. Mit Blick auf sexualisierte Gewalt im Raum der Kirche forderte der Landesbischof, Leid anzuerkennen, institutionelles Versagen zu benennen und die Strukturen zu hinterfragen, die Schweigen und Wegsehen ermöglicht haben.
Am Karfreitag erinnern Christen an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. Der Tag ist in Verbindung mit Ostern, wenn die Auferstehung Jesu gefeiert wird, ein zentraler kirchlicher Feier- und Gedenktag.



