Ruhrbischof: Kraft und Hoffnung in Krisenzeiten verbreiten

Ruhrbischof: Kraft und Hoffnung in Krisenzeiten verbreiten
An Karfreitag erklimmen Gläubige die über 100 Meter hohen Hügel der Abraumhalde Haniel. Der Ruhrbischof betet mit ihnen den Kreuzweg. In diesem Jahr ruft er dazu auf, Kraft und Hoffnung in Krisenzeiten zu verbreiten.

Essen, Bottrop (epd). In einer Welt voller politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck an Karfreitag dazu aufgerufen, sich neu am Maßstab der Menschenwürde zu orientieren: „Nicht Macht, Profit oder Stärke dürfen den Weg bestimmen, sondern der Mensch selbst - als Ebenbild Gottes“, sagte der Essener Bischof laut Predigttext auf der Bottroper Halde Haniel, auf der auch in diesem Jahr wieder der traditionelle Kreuzweg gebetet wurde.

Overbeck sprach in seiner Predigt von „Mächten im Umbruch“: Sicherheiten im Politischen durch Demokratie, durch die Selbstverständlichkeit der Einhaltung der Menschenrechte und durch eine gemeinsame Überzeugung von der Menschenwürde aller in der Welt seien zerbrochen, sagte er. „Stattdessen spüren wir die Kälte der Waffen und sehen das Feuer von Kriegen, das sich immer mehr in die Herzen der Menschen hineinfrisst und viele verschlingt.“ Auch in der Europäischen Union nähmen „Neigungen zu autokratischen Zügen“ zu.

„Stärke des Rechts dem Recht des Stärkeren entgegensetzen“

Der Bischof rief dazu auf, der Stärke des Rechts vor dem Recht des Stärkeren unbedingten Vorrang einzuräumen. Wenn militärische Gewalt als Instrument zur Durchsetzung politischer Ziele auf der gesamten Welt an positiver Resonanz gewinne, dann müssten sich Christen umso mehr für die Durchsetzung des Friedens und für die Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit, die Menschenrechte und die Menschenwürde einsetzen.

Im Ruhrgebiet seien die Menschen auch belastet durch wirtschaftliche Unsicherheiten der Unternehmen und auf dem Arbeitsmarkt, sagte Overbeck. „Wir leben nicht in einem Sturm, den wir aussitzen könnten.“ Schmerzhafte Anpassungsprozesse würden zu dauerhaften Begleitern. Hoffnung entstehe dort, wo Menschen einander vertrauen, Verantwortung übernehmen und Veränderungen so gestalten, dass niemand seine Würde verliert. Das Ruhrgebiet habe hierfür auch gute Voraussetzungen.