Ei, was für besondere Kunstwerke zu Ostern

Eier mit Knötchenstickere
epd-bild/Judith Kubitscheck
Dank komplizierter Stichtechnik lassen sich auf der glatten Oberfläche Höhen und Tiefen gestalten.
Von der Liebe zum Sticken
Ei, was für besondere Kunstwerke zu Ostern
Annegret Wünsche hat eine ganz eigene Technik gefunden, Ostereier mit Kunstwerken zu schmücken. Ihre Motive reichen vom Osterlamm bis zu impressionistischen Landschaften und abstrakten Mustern.

Wer Annegret Wünsches Wohnung betritt, sieht auf einen Blick, dass hier eine Frau ihr Zuhause hat, die von Eiern fasziniert ist: Im Gang sind in Vitrinen Eierschalen zu sehen, die mit modernen Formen und Farben verziert sind, ebenso wie viele Schmuckeier, auf die verschiedene Motive gestickt wurden: Von frühlingshaften Landschaften, bis zu christlichen Symbolen, einem bunten Schmetterling oder abstrakten Formen.

"Eier haben eine vollendete Form", erklärt die Fachlehrerin für Kunst und Textil aus Renningen-Malmsheim (Landkreis Böblingen). Auch die unterschiedlichen Größen seien beeindruckend - vom Zwergwachtelei, über das Nandu- und Schwanenei bis zum Straußenei. Doch wie kommt man dazu, Eier in Kunstwerke zu verwandeln?

Alles fing damit an, dass Annegret Wünsche im Urlaub in Dänemark eine Landschaftsstickerei anfertigen wollte, und sich überlegte, wie sie am besten den Sand am Meer sticken kann. Sie kam auf die Technik des Knötchenstichs, ein alter Brauchtumsstich der ursprünglich aus Böhmen und dem Sudetenland stammt und der in der Trachtenstickerei verwendet wurde.

Knötchenstich für Höhen und Tiefen 

Der Knötchenstich wird auch "Wickelstich" genannt, da der Faden mehrmals um die Nadel gewickelt wird, bevor man wieder in den Stoff zurücksticht und den kleinen Knoten durch vorheriges Festziehen des Fadens sichert. "Mit den Knötchen kann Plastizität erzeugt werden, sodass durch Überlagerung der Stiche auch Höhen und Tiefen dargestellt werden können", erklärt sie. Und so entschied sie sich, beide Leidenschaften zu verbinden: das Interesse an Eiern und die Liebe zum Sticken.

Eigene Entwürfe werden auf altem gezwirnten Baumwollleinenstoff in Stickerei umgesetzt. Die feinen Kunstwerke, die mit einem sehr dünnen, einfädigen Seiden- doer Baumwollgarn bestickt sind, sind immer in einer ovalen, medaillonartigen Form gehalten. Diese Stickereien bringt sie dann mit Holzleim auf den Eiern an und umrandet sie mit einer gehäkelten Luftmaschenkette. Der 73-Jährigen ist es wichtig, dass ihre Kunst die Eier nicht vollständig bedeckt, sondern die Form und Schönheit der natürlichen Eifärbung erhalten bleiben.

Annegret Wünsche gestaltet Eier mit Knötchenstickerei – eine Technik, die nur sie auf Eiern anwendet.

Osterlamm mit Siegesfahne 

Seit 1985 ist sie mit ihren Kunstwerken auf internationalen Ostereiermärkten unterwegs - mit Erfolg: "Meine Eier wurden auch schon für eine Galerie gekauft und werden nach Japan und häufig auch Amerika mitgenommen, wo 'needle work' sehr wertgeschätzt wird", erzählt sie. Und fügt mit etwas Stolz hinzu: "Ich bin die einzige weltweit, die so eine Art von Kunst anbietet und herstellen kann."

Die Motive der Künstlerin sind sehr vielseitig: "Ostern ist das Fest der Auferstehung und damit verbinde ich das Osterlamm und das Kreuz", sagt sie. Deshalb hat sie das Symbol des Osterlammes, das triumphierend eine Siegesfahne schwingt, in Knötchen umgesetzt, ebenso wie ein Kreuz, das von Palmkätzchen-Zweigen umrahmt ist.

Eier als Symbole des Lebens und der Fruchtbarkeit finden sich in vielen Kulturen. Im Christentum wurden diese Bräuche aufgenommen und umgedeutet. So heißt es in einem Osterspruch aus dem 17. Jahrhundert beispielsweise: "Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus Christus das Grab zerbrochen."

Da sie sehr naturverbunden ist, finden auch blühende Haselnusszweige, die den Frühlingsbeginn symbolisieren sollen und blühende Bäume ihren Weg aufs Ei, ebenso wie andere Landschaftsstickereien, die oft auch impressionistische Züge annehmen: "Was Maler mit dem Pinselduktus machen, das geschieht bei mir mit den Knötchen", erklärt sie.

Die Stickereien für ein Ei benötigen viele Stunden Arbeit. Doch dies hielt Annegret Wünsche nicht davon ab, in den vergangenen 40 Jahren etwa 2.000 bis 3.000 Eier zu verschönern, wie sie schätzt. "Beim Sticken habe ich das Gefühl, ich ruhe in mir. Außerdem fasziniert mich, was aus vielen Knötchen alles entstehen kann."