Wirtschaftsexperten warnen vor umfangreicher Rückkehr von Syrern

Wirtschaftsexperten warnen vor umfangreicher Rückkehr von Syrern
Spekulationen über die Rückkehr eines Großteils syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat sorgen bei Wirtschaftsexperten für Sorgenfalten. Sie fürchten Probleme für den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung.

Berlin (epd). Wirtschaftsexperten fürchten bei einer umfangreichen Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus Deutschland in ihre Heimat massive Auswirkungen auf die ohnehin schwächelnde deutsche Wirtschaft. „Wenn wir in diesem Umfang Menschen zurückführen würden, würde das dem Produktionspotenzial einen weiteren Dämpfer verpassen“, sagte der Münchner Ökonom Timo Wollmershäuser am Mittwoch in Berlin.

Bei einem Besuch am Montag in Berlin hatte der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als Ziel genannt, dass rund 80 Prozent der derzeit in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer in den nächsten drei Jahren in ihr Heimatland zurückkehren. Das hätte „unmittelbare Folgen“ für das Wachstum, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Wollmershäuser vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München. Ein Großteil der Syrerinnen und Syrer sei am Arbeitsmarkt integriert.

Zudem habe die Zuwanderung der vergangenen Jahre aus der Ukraine und Syrien die absehbare Alterung in Deutschland „ein bisschen verschoben“. Die demografische Entwicklung sehen die Wirtschaftsinstitute, die am Mittwoch ihre aktuelle Gemeinschaftsdiagnose vorlegten, als einen Faktor für die schlechte wirtschaftliche Entwicklung.

DIW-Expertin: Würde demografischen Druck erhöhen

Die Ökonomin Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sagte, wenn auch nur ein erheblicher Teil des Ziels tatsächlich realisiert werden sollte, „würde das den demografischen Druck auf das Potenzialwachstum verschärfen - in einer Lage, in der es ohnehin gegen null tendiert“. Gut integrierte erwerbstätige Syrerinnen und Syrer leisteten „einen messbaren Beitrag zum Arbeitsvolumen und damit zum Potenzialwachstum“.

Sie hält es zudem für unrealistisch, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer freiwillig zurückgehen wird. „Die politische Ankündigung und die ökonomische Realität werden sich wahrscheinlich deutlich voneinander unterscheiden“, sagte sie.