Studie: Angriffe schrecken Frauen in Lokalpolitik nicht ab

Studie: Angriffe schrecken Frauen in Lokalpolitik nicht ab
In der Kommunalpolitik gibt es deutlich weniger Frauen als Männer. Eine Untersuchung stellt nun fest, dass dies wohl nicht an steigenden Gewalttaten gegen Politikerinnen und Politiker liegt - zumindest auf den ersten Blick.

Berlin (epd). Frauen in der Lokalpolitik lassen sich einer Studie zufolge nicht von der Häufigkeit oder der Schwere gewalttätiger Angriffe beeinflussen. Wenn sie hoch motiviert seien, würden sie sich nicht aus diesem Feld zurückziehen, heißt es in einer am Dienstag vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) veröffentlichten Studie. Dazu wurden in mehr als 2.000 Gemeinden in fünf Bundesländern Daten zu politischem Engagement und Angriffen ausgewertet. Befragt wurden zudem mehr als 3.500 Menschen zu ihren politischen Ambitionen.

Besonders im Blick der Untersuchung sei die steigende Gewalt gegen Politikerinnen und Politiker gewesen. Im Jahr 2023 hätten die Angriffe im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent, 2024 um weitere 20 Prozent zugenommen. Vor diesem Hintergrund hätten die Ergebnisse überrascht: Während das Engagement von Männern sank, zögen sich Frauen, selbst wenn es bei ihnen vor Ort zu „gravierenden Übergriffen“ käme, nicht aus der lokalen Politik zurück.

„Zweite Reihe“ fehlt

Dies gelte allerdings nur für Frauen mit starken politischen Ambitionen: Wer sich selbst als politisch wenig interessiert einstufe, werde von der Gewalt abgeschreckt. „Offensichtlich entscheiden sich überhaupt nur Frauen für diesen Weg, die bereits eine hohe Resilienz mitbringen“, sagte Studienautor Jeyhun Alizade.

Es fehle dabei eine „zweite Reihe“, aus welcher neue engagierte Frauen gewonnen werden könnten. Auch deshalb würden weiterhin Männer das Bild der deutschen Kommunalpolitik dominieren. In neun von zehn deutschen Rathäusern regiere ein Mann, der Frauenanteil in lokalen Räten liege bei unter einem Drittel.