Frankfurt a.M., Berlin (epd). Die deutschen Ausgaben für die Entwicklungshilfe sind einer Studie zufolge eingebrochen. Die staatlichen Mittel könnten bis 2027 auf 0,39 Prozent des Bruttonationalprodukts absinken, teilte der Verband entwicklungspolitischer Organisationen Venro bei der Veröffentlichung der Untersuchung am Dienstag mit. In den Jahren 2020 bis 2023 habe Deutschland das Ziel der Vereinten Nationen, mindestens 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit auszugeben, erfüllt. Seitdem gingen die Ausgaben aber drastisch zurück, und ein Paradigmenwechsel zeichne sich ab, kritisierte die Organisation.
Obwohl der Bedarf an Hilfe immer weiter steige, habe sich die aktuelle Bundesregierung im Koalitionsvertrag nicht zum UN-Ziel bekannt, kritisierte Venro. Die Studie belege, dass sich der negative Trend bei den Ausgaben für öffentliche Entwicklungshilfe, kurz ODA („Official Development Assistance“) fortsetzt, erklärte Venro-Vorstandsmitglied Michael Herbst.
Von weiterem Rückgang ist auszugehen
Bereits 2024 habe Deutschland die Zielmarke verfehlt, mit einer ODA-Quote von 0,67 Prozent - dem niedrigsten Wert seit 2019. Für 2025 habe Venro auf Grundlage des im Juni 2025 vorgelegten Haushaltsentwurfs eine Quote von 0,44 berechnet, der Etat des Entwicklungsministeriums wurde in dem Jahr um fast eine Milliarde Euro auf rund zehn Milliarden gekürzt. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht am 9. April die ODA-Quoten der Industriestaaten für 2025.
Basierend auf der mittelfristigen Finanzplanung der schwarz-roten Bundesregierung und der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands sei von einem weiteren Rückgang auszugehen, bis 2027 auf 0,39 Prozent, bis 2029 auf 0,38 Prozent, erläuterte der Venro-Haushaltsexperte Lukas Goltermann. Die Bundesregierung rechnet mit einer Absenkung der ODA-Quote auf voraussichtlich 0,43 Prozent im Jahr 2029.



