Besuch von al-Scharaa: Gegner und Unterstützer demonstrieren

Besuch von al-Scharaa: Gegner und Unterstützer demonstrieren
Der syrische Übergangspräsident al-Scharaa kam nach seinem abgesagten Besuch im Januar am Montag nach Berlin. Zivilgesellschaftliche Organisationen werfen ihm Menschenrechtsverbrechen vor. Er hat aber auch Fans in der Hauptstadt.

Berlin (epd). Anlässlich des Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am Montag in Berlin sind sowohl dessen Gegner als auch Unterstützer auf die Straße gegangen. Unter anderem hatte der Berliner Flüchtlingsrat zu Protesten gegen „Abschiededeals mit Menschenrechtsverbrechern“ aufgerufen. Vor dem Hauptbahnhof feierten Sympathisanten den syrischen Machthaber. Die Versammlungen seien unter ihren erwarteten Teilnehmerzahlen geblieben und ohne besondere Vorkommnisse verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin.

Vorab hatte sich auch „Civaka Azad“, ein kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit, gegen den Besuch al-Scharaas positioniert. Es gebe Hinweise auf ein Sammelgrab mit mehr als 270 Leichen in der Naqqarin-Region östlich von Aleppo, wenige Kilometer von kurdischen Vierteln entfernt, teilte die Organisation mit. Es soll im Zusammenhang mit Angriffen vom 6. Januar auf die kurdischen Viertel stehen. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig verifizieren.

Gegen politische Normalisierung

Es dürfe „keine politische Normalisierung geben”, erklärte ein Mitarbeiter von “Civaka Azad„. Dass al-Scharaa im Bundeskanzleramt empfangen wird, sei “ein Skandal". Das Zentrum verwies ebenfalls auf das Verschwinden der Kölner Journalistin Eva Michelmann am 18. Januar aus den kurdischen Autonomiegebieten Syriens.

Für die Freilassung Michelmanns und ihres kurdischen Kollegen Ahmet Polad demonstrierte die Organisation "Peoples Bridge”. Auch sie sprach sich gegen eine Normalisierung mit den neuen syrischen Machthabern aus.