Ahaus, Jülich (epd). Der erste der umstrittenen Castor-Transporte durch Nordrhein-Westfalen ist in der Nacht zu Mittwoch im Zwischenlager Ahaus angekommen. Der Schwerlast-Transport mit dem hochradioaktiven Atommüll war am späten Dienstagabend am Forschungszentrum im rheinischen Jülich gestartet. Laut der zuständigen Polizei Münster gab es kleinere Proteste, auf der 170 Kilometer langen Strecke aber keine besonderen Zwischenfälle. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zog eine positive Bilanz. Atomkraft-Gegner kritisierten die Transporte als „überflüssig, teuer und hochgefährlich“.
„Die Polizei hat gut vorbereitet, gut organisiert. Aber auch die Demonstranten haben sich ordentlich verhalten“, sagte Reul dem Radiosender WDR 5. Mögliche Gefahrenstellen wie die über 200 Brücken auf der Strecke seien per Hubschrauber überwacht worden, was „eine Riesenaufgabe“ sei. Auf die Kosten angesprochen sagte der Minister, die Polizeieinsätze sollten nicht allein am Geld gemessen werden: „Die Sicherheit der Menschen ist etwas, was der Staat leisten muss, dafür zahlen die Menschen auch Steuern.“
Polizeipräsidentin zufrieden mit Einsatzkonzept
Die Polizeipräsidentin aus Münster, Alexandra Dorndorf, blickt nach dem Einsatz optimistisch auf weitere Transporte. „Für unser Einsatzkonzept ist es ein gutes Zeichen, dass der erste Transport sicher sein Ziel erreicht hat“, sagte sie am Mittwochmorgen. Auf der Transportstrecke sei es nur zu kurzfristigen Verkehrsbehinderungen gekommen. „Mein Dank gilt auch den friedlich Demonstrierenden“, betonte Dorndorf.
Insgesamt sollen in den kommenden Monaten 152 Atommüll-Behälter mit rund 300.000 Brennelement-Kugeln von Jülich nach Ahaus gebracht werden. Sie stammen aus dem bereits 1988 stillgelegten Versuchsreaktor auf dem Gelände des Forschungszentrums. Die Castoren werden nach Ahaus gebracht, weil die Betriebserlaubnis für die Lagerstätte in Jülich seit Jahren ausgelaufen ist. Auch das Lager in Ahaus ist lediglich ein Zwischenlager.
Bürgerinitiativen wollen weiter gegen Transporte demonstrieren
Die SPD-Opposition im Landtag kritisierte die schwarz-grüne Landesregierung dafür, sich nicht für ein neues Zwischenlager in Jülich eingesetzt zu haben. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag, Alexander Vogt, verwies zudem auf die Belastung für die Polizei. Für die Transporte würden jeweils Tausende Polizeikräfte gebunden. Das seien „Kräfte, die dann an anderer Stelle fehlen, sei es bei der Kriminalitätsbekämpfung, bei Großveranstaltungen oder im täglichen Dienst“.
Als „überflüssig, teuer und hochgefährlich“ kritisierte der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) den Transport. Der BBU forderte, den weiteren für den Transport vorgesehenen Atommüll in Jülich zu lassen. Man werde weiter gegen „die brandgefährliche Atommüllverschieberei“ protestieren.
Kleinere Proteste in der Nacht
In Jülich nahmen an einer Demonstration gegen die Transporte nach Polizeiangaben 27 Menschen teil. An zwei vorab angekündigten Protesten in Ahaus beteiligten sich insgesamt rund 380 Menschen. Zu einer Versammlung in Duisburg kamen 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen. Alle Proteste verliefen der Polizei zufolge friedlich.
Laut der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) fallen für die Vorbereitung und den Transport in das Brennelemente-Zwischenlager nach Ahaus 90 Millionen Euro an. Die Kosten für den begleitenden Polizeieinsatz über die Autobahn sind nicht eingerechnet. Um den Transport des Atommülls nach Ahaus hatte es einen jahrelangen Rechtsstreit gegeben



