Köln (epd). Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, dringt auf eine „grundlegende neue Struktur“ des Systems zur ärztlichen Betreuung der Menschen in Deutschland. Es reiche nicht, bei Reformen ständig mehr Geld in das alte System zu stecken, sagte Baas am Mittwoch im „Morgenmagazin“ der ARD. Entscheidend sei, die Patientinnen und Patienten „sauber“ durch das Gesundheitswesen zu leiten.
Derzeit sei vielen nicht klar, zu welchem Arzt sie gehen müssen, auch würden Daten nicht richtig übergeben. Das führe zu Doppeluntersuchungen. Zwar gebe es theoretisch das Hausarztprinzip. „Praktisch geht jeder dahin, wo er möchte“, sagte Baas. Die Koordinationsfunktion des Hausarztes müsse gestärkt werden.
„Genug Geld im System“
Zur Debatte, die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern bei der Kranken- und Pflegeversicherung zu streichen, sagte Baas, das sei eine gesellschaftliche Entscheidung. Ihn ärgere aber, dass es wieder darum gehe, mehr Geld einzunehmen. „Wir haben genug Geld im System“, betonte der TK-Vorstandsvorsitzende.
Es sollte nicht darum gehen, den Menschen noch mehr Geld abzunehmen. „Wir sollten es besser ausgeben“, sagte Baas.
Söder gegen zusätzliche Belastung von Familien
Die Debatte zur kostenfreien Mitversicherung unter Eheleuten kritisierte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, scharf. Sie sagte dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Mittwoch): „Die Familienversicherung ist kein Privileg, sondern Ausdruck gelebter Solidarität. Wer sie abschafft, schwächt den sozialen Zusammenhalt in unserem Land.“
CSU-Chef Markus Söder sagte der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwoch), das Streichen der kostenlosen Mitversicherung wäre „ein vollkommen falsches Signal an die Menschen in unserem Land: “Es ist völlig absurd, in diesen herausfordernden Zeiten unsere Familien zusätzlich zu belasten."



