Hannover (epd). Betroffenenvertreter haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wegen des Ausstehens einer Orientierungshilfe für die Zahlung von Anerkennungsleistungen scharf kritisiert. „Die Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt verurteilt die fehlende Verabschiedung der Orientierungshilfe durch Diakonie und Kirche scharf“, heißt es in einer Pressemitteilung der Betroffenen, die am Montag veröffentlicht wurde.
Die EKD hatte vor einem Jahr eine neue Anerkennungsrichtlinie für Zahlungen an Betroffene sexualisierter Gewalt beschlossen, die seit dem 1. Januar 2026 gilt. Sie soll in allen 20 Landeskirchen und 17 Diakonieverbänden umgesetzt werden, muss dort aber jeweils übernommen werden, was bislang nicht flächendeckend der Fall ist. Ziel sind bundesweit einheitliche Verfahren durch unabhängige Anerkennungskommissionen.
Beteiligungsforum beschloss Anhaltskatalog im Februar
Dabei soll auch ein sogenannter Anhaltskatalog helfen, der eine Orientierungshilfe für die Kommissionen sein soll. Dieser wurde im Februar im Beteiligungsforum grundsätzlich beschlossen. Er enthält Fallbeispiele mit Orientierungswerten für mögliche Leistungen. Die Kirchenkonferenz der EKD, in der alle 20 Landeskirchen vertreten sind, und der Ausschuss Diakonie müssen ihn noch verabschieden.
Matthias Schwarz aus der Gruppe der Betroffenen im EKD-Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt sagte laut Mitteilung, für ihn zeige sich am Umgang mit der Orientierungshilfe, „dass immer noch das Geld wichtiger ist als die Menschen, denen Gewalt angetan wurde“. „Denn letztlich, so habe ich es auch in mancher Diskussion erlebt, geht es ums Geld.“
Die EKD hatte zuletzt betont, dass die Kommissionen trotz des fehlenden Anhaltskatalogs arbeiten können. Ursprünglich galt die Sitzung der Kirchenkonferenz im März, die vergangenen Donnerstag stattgefunden hatte, als angestrebter Termin für einen Beschluss der Orientierungshilfe.



