München (epd). Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, wendet sich gegen eine Instrumentalisierung des Holocaust-Gedenkens zulasten der Opfer des NS-Völkermords. Die Gedenkstätte wolle ihren Gästen kein bestimmtes Geschichtsverständnis vorgeben oder oktroyieren, sagte Wagner der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag). Allerdings wolle man die Opfer davor schützen, dass Leute versuchen, sie zu verhöhnen oder zu instrumentalisieren.
„Und wenn jemand geschichtsrevisionistische oder NS-verherrlichende Positionen verbreitet, etwa aus der AfD, weisen wir das zurück. Das gehört zu unserem Auftrag“, sagte Wagner. Ähnlich begründete der Historiker das Bemühen, die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in diesem Jahr zu unterbinden.
Hinter dieser Kampagne stecke eine kleine Gruppe, die sogenannte Kommunistische Organisation, die das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel als palästinensische Befreiungstat gefeiert und jüngst auch das massenhafte Morden durch das iranische Regime gerechtfertigt habe. „Sie hat sich nun mit anderen Gruppen zusammengetan“, sagte Wagner und ergänzte: „Das sind linksautoritäre Gruppen, die ihr ganz eigenes Spiel spielen und jetzt versuchen, mit vermeintlicher Palästina-Solidarität Aufmerksamkeit zu gewinnen, indem sie unsere bevorstehende Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung kapern.“
Kein generelles Kufyia-Vebot
Diesen Menschen gehe es erkennbar weniger um ein Gedenken, „als um sich selbst und die Forderung, Israel das Existenzrecht abzusprechen“. Nach Angaben der Initiatoren plant die Kampagne für den 11. und 12. April eigene Veranstaltungen gegen die „Kriminalisierung palästinensischer Symbole“ an der Gedenkstätte Buchenwald, abseits des offiziellen Programms.
Wagner sagte, zwar sei das Tragen einer Kufya, die auch als Palästinensertuch bekannt ist, nicht generell untersagt. Es gehe in solchen Fällen aber immer um das Format und den Anlass.



