Hilfsorganisation: Menschen im Ostkongo kämpfen täglich ums Überleben

Hilfsorganisation: Menschen im Ostkongo kämpfen täglich ums Überleben
Kürzungen von Hilfsgeldern verschärfen die humanitäre Krise im Ostkongo. "Für die Mehrheit der Menschen ist es ein täglicher Kampf ums Überleben", sagt Ciarán Donnelly von der Hilfsorganisation IRC.
20.03.2026
epd
epd-Gespräch: Moritz Elliesen

Frankfurt a.M. (epd). Die Kürzungen vieler Geberländer haben laut der Hilfsorganisation IRC dramatische Folgen für die Bevölkerung im Ostkongo. Grundlegende Infrastruktur wie Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen sei dadurch „sehr stark beeinträchtigt“, sagte Ciarán Donnelly, Senior Vizepräsident für internationale Programme beim IRC, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Betroffen seien Menschen, die zum Teil seit Jahrzehnten unter den zahlreichen Krisen und Konflikten in der Region litten.

„Für die Mehrheit der Menschen ist es ein täglicher Kampf ums Überleben“, sagte Donnelly, der jüngst von einer Reise in den Ostkongo zurückgekehrt ist. Viele von ihnen seien im Laufe der vergangenen Jahre mehrmals vertrieben worden, unterstrich der IRC-Vertreter: „Oder sie erleben, wie die Kontrolle über den Ort, in dem sie leben, von einer bewaffneten Gruppe an eine andere übergeht.“

Kürzungen aus den USA

Weltweit haben viele Regierungen - allen voran die USA unter Präsident Donald Trump - ihre Gelder für humanitäre Hilfe oder die Entwicklungszusammenarbeit deutlich reduziert. Auch die Bundesregierung hat entsprechende Zusagen zurückgefahren. Die Zusagen für die Arbeit des IRC im Kongo seien im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gesunken, sagte Donnelly. Dies entspreche in etwa den Einschnitten in anderen Regionen. Zwar gebe es auch ermutigende Signale, etwa Zusagen seitens privater Geber oder der Weltbank. „Aber die Lücken werden dadurch nicht vollständig geschlossen.“

Der IRC-Vizepräsident verwies auf ein Gesundheitszentrum in dem Ort Tchomia, das wegen der US-Einschnitte bald nicht mehr unterstützt werden könne. Das Gebäude bleibe zwar, aber Medikamente und andere medizinische Güter fehlten, ebenso wie ausgebildete Fachkräfte. Zudem könnten Vertriebene oder zurückgekehrte Flüchtlinge nicht mehr wie bisher kostenfrei behandelt werden. „Es ist nur ein Beispiel für die Folgen der Kürzungen, aber sie lassen sich auf das ganze Land übertragen“, unterstrich Donnelly.

Rebellen auf dem Vormarsch

Im Ostkongo kämpfen die Armee und zahlreiche bewaffnete Gruppen seit Jahren um die Kontrolle über wertvolle Rohstoffe. Anfang des Jahres hatte die Rebellengruppe M23 im Zuge einer Offensive große Teile der Regionen Nord- und Süd-Kivu eingenommen. Versuche, eine Waffenruhe zu vermitteln, scheiterten wiederholt.

Außer den Kürzungen seien auch häufig wechselnde Frontverläufe eine Herausforderung für die Arbeit von Hilfsorganisationen, sagte Donnelly. So sei es etwa meist nicht möglich, direkt zwischen Gebieten, die von M23 kontrolliert werden, in Regierungsgebiete zu reisen, und umgekehrt. „Die Arbeit und Koordination werden dadurch deutlich schwieriger.“

Das IRC („International Resce Committee“) ist in mehr als 40 Ländern tätig. Im Kongo unterstützt die Hilfsorganisation das Gesundheitswesen, Bildungseinrichtungen und stellt Unterkünfte bereit.