Paderborn (epd). Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie über sexualisierte Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn will die Stadt Straßen und Plätze, die die Namen von zwei früheren Erzbischöfen tragen, umbenennen. Nach einem Beschluss des Stadtrates vom Donnerstagabend soll die Verwaltung die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße und des Kardinal-Degenhardt-Platz vorbereiten. Zudem werden die beiden Kardinäle aus der Ehrenbürgerliste der Stadt gestrichen.
Der Rat der Stadt Paderborn erklärte „aus heutiger Sicht sein Bedauern über die Entscheidungen des Rates“ aus den Jahren 1955 und 1991, Lorenz Kardinal Jaeger und Johannes Kardinal Degenhardt das Ehrenbürgerrecht zu verleihen, heißt es in dem Beschluss. Die Stadt distanziere sich „von der Person der Geehrten“.
Bürgermeister: „Zutiefst erschüttert“
Die Ergebnisse der Studie erschütterten ihn zutiefst, erklärte Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU) in der Begründung des Antrags: „Es ist schwer zu fassen, dass Kirche und Gesellschaft systematisch weggesehen und Straftaten billigend in Kauf genommen haben“. Zugleich würdigte Strate, dass „das Erzbistum einen klaren Weg der Offenheit und der Verantwortung geht“.
Die am 12. März veröffentlichte unabhängige Studie offenbart, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder über Jahrzehnte kultiviert und vertuscht wurde. In mehrjähriger Arbeit haben Wissenschaftler der Universität Paderborn die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger (1892-1975) und Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002) in den Blick genommen. Der Studie zufolge gibt es bislang Hinweise auf 210 Beschuldigte und 489 Betroffene. Das Erzbistum, das die Studie in Auftrag gegeben hat, kündigte eine Auseinandersetzung mit den Ergebnissen an.



