Jürgen Habermas gestorben

Jürgen Habermas gestorben
Die Stimme eines großen deutschen Denkers ist verstummt. Mit 96 Jahren stirbt Jürgen Habermas.

Frankfurt a.M. (epd). Jürgen Habermas ist tot. Der Philosoph und Soziologe starb nach Angaben des Suhrkamp Verlags am Samstag im Alter von 96 Jahren in Starnberg. Der Hochschullehrer galt als der einflussreichste und bekannteste deutsche Philosoph der Gegenwart und hat intellektuelle Debatten über Jahrzehnte geprägt.

Habermas war prominenter Vertreter der zweiten Generation der sogenannten Frankfurter Schule rund um das Institut für Sozialforschung in der Stadt am Main. Als Hauptwerk gilt seine 1981 erschienene „Theorie des kommunikativen Handelns“.

Weimer spricht von einem „Meisterdenker“

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sagte, Habermas habe als „Meisterdenker“ die geistigen Grundlagen der Demokratie in der Bundesrepublik geprägt. Er habe „ein Gehäuse für den offenen Meinungsstreit und Toleranz“ geschaffen. „Wir werden seine Stimme vermissen“, sagte Weimer

Aus Sicht des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, geht mit Habermas „ein Ausnahme-Philosoph von uns“. Die Weite seines Denkens und die visionäre Kraft, Brücken zwischen der Philosophie und Religion zu bauen, werden bleiben.„ Der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda (SPD) würdigte Habermas als “Giganten der aufgeklärten Moderne".

Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) sagte, Habermas sei ein „herausragender Wissenschaftler und Grenzgänger zwischen den Disziplinen“ gewesen. Er habe in seinen Schriften gezeigt, dass Demokratie mehr sei als Institutionen und Verfahren, sondern von einer kritischen, argumentativen Öffentlichkeit lebe.

Nachfolger von Horkheimer

Habermas hatte an den Universitäten Göttingen, Zürich und Bonn Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie studiert und 1954 promoviert, bevor er nach Frankfurt kam. 1956 trat er eine Stelle als Forschungsassistent am Institut für Sozialforschung bei den Sozialphilosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno an, wo er bis 1959 blieb.

Seine erste Dozentenstelle führte ihn 1961 als außerordentlichen Philosophieprofessor an die Universität Heidelberg. 1964 übernahm er Horkheimers Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie in Frankfurt. Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten in Starnberg und München kehrte Habermas 1983 endgültig nach Frankfurt zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 den Lehrstuhl für Philosophie innehatte.

Habermas gehörte zu den geistigen Anregern der antiautoritären 68er-Studentenbewegung. Später ging er jedoch auf Distanz zu den gewaltbereiten Studentengruppen. Sein Name ist auch eng verbunden mit dem sogenannten Historikerstreit Anfang der 1980er Jahre, einer scharfen Auseinandersetzung unter Intellektuellen über die Singularität des Holocaust.

Der Philosoph war seit 1955 mit Ute Habermas verheiratet, die im Juni 2025 starb. Habermas hatte drei Kinder.