Mainz (epd). Der in Indien geborene neue Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal sieht seine Ernennung als Chance für die rund 30 Prozent der Katholiken in Deutschland mit Zuwanderungsgeschichte. „Die Wahl ist eine Premiere und ein Zeichen, dass auch diese Menschen gesehen werden“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) wenige Tage vor der für den 15. März geplanten Bischofsweihe im Mainzer Dom. Dass er einmal Weihbischof werden würde, sei für ihn eine enorme Überraschung gewesen: „Man rechnet einfach nicht damit, wenn man aus Indien kommt.“
Pottackal gehört dem Bettelorden der Karmeliten an und lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Im Bistum Mainz sei mittlerweile rund ein Viertel aller katholischen Priester nicht deutscher Herkunft. Deren erste Eindrücke von Deutschland kämen oftmals einem „Kulturschock“ gleich. Das kirchliche und religiöse Leben, aber auch die Rolle des Priesters in der Gemeinde, unterschieden sich deutlich von denen in Ländern wie Indien. „Man kann schon sagen, dass die Menschen im asiatischen Raum mehr Zeit für ihre Frömmigkeit oder den Glauben aufwenden“, sagte er. „Dort will jeder sonntags in die Kirche gehen. Das wird als Pflicht angesehen.“
Gründliche Vorbereitung für Priester aus dem Ausland etabliert
Damit kulturelle Unterschiede nicht zu Konflikten in den Gemeinden führen, würden Priester aus anderen Teilen der Weltkirche mittlerweile sehr gründlich auf ihren Dienst in Deutschland vorbereitet - auf ein Vorbereitungsjahr und den Spracherwerb auf C1-Niveau folge eine sechsjährige pastorale Ausbildung. „Als ich vor 20 Jahren kam, hat man einen Deutschkurs finanziert, und das war es“, berichtete Pottackal, der zuletzt im Personalreferat des Mainzer Bistums tätig war und auch nach der Bischofsweihe weiter im Mainzer Karmelitenkloster leben möchte.
Rassismus sei kein großes Problem für Priester aus anderen Kontinenten, versicherte er. Vereinzelt gebe es Vorfälle. „Aber grundsätzlich sind die Menschen positiv eingestellt, das ist auch meine persönliche Erfahrung“, sagte Pottackal. Allerdings seien gute Deutschkenntnisse eine Voraussetzung dafür, dass es keine Probleme gebe: „Am Anfang gibt es sicher eine gewisse Toleranzzeit. Irgendwann beschweren sich die Leute trotzdem, wenn sie bei einer Beerdigung den Pfarrer nicht verstehen.“
Pottackal begrüßt nach eigenen Worten die aktuellen Reformdebatten in der katholischen Kirche. Zugleich warb er um Verständnis, dass das Bistum Mainz oder auch die Kirche in Deutschland nicht alle Entscheidungen im Alleingang treffen könnten. „Ich bin sehr dafür, das Mögliche in Deutschland auch zu machen“, sagte er.


