DLRG: Ertrinken ist ein "männliches Problem"

DLRG: Ertrinken ist ein "männliches Problem"
Während im Jahr 2024 laut DLRG noch mindestens 411 Menschen im Meer, in Flüssen oder Seen ertranken, waren es im vergangenen Jahr mindestens 393. Anlass zur Entwarnung gebe diese Zahl allerdings nicht, mahnten die Lebensretter.
10.03.2026
epd
Von Björn Schlüter (epd)

München, Bad Nenndorf (epd). In Deutschland sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mindestens 393 Menschen in Gewässern ertrunken. Das sind 18 Todesfälle weniger als im Jahr 2024, wie Vertreter der DLRG am Dienstag in München erläuterten. Dieser Rückgang sei jedoch „kein Grund, erleichtert zu sein“, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Zu vermuten sei, dass das teils wenig sommerliche Wetter im Jahr 2025 dazu beigetragen habe, dass weniger Menschen ertrunken seien.

Die meisten Badeunfälle geschahen den Angaben zufolge im Juni. „Wäre es in der folgenden Hauptferienzeit weiterhin so sonnig und heiß geblieben, hätten wir wohl erneut einen Anstieg der Opferzahl vermelden müssen“, sagte Vogt. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der tödlichen Unfälle ereignete sich während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende August. „Viele Fälle wären vermeidbar gewesen, wenn die Menschen ihre eigenen Fähigkeiten oder das Gewässer besser eingeschätzt hätten“, mahnte die DLRG-Präsidentin.

Anzahl junger Opfer gestiegen

Die meisten Opfer im Jahr 2025 waren älter als 60 Jahre: 138 Personen wurden in dieser Altersgruppe statistisch erfasst. Das entspricht 42 Prozent aller Opfer, bei denen das Alter bekannt ist. Einen Anstieg um jeweils elf Todesfälle im Vergleich zu 2024 gab es bei den 11- bis 20-Jährigen (25 Tote) sowie bei den 21- bis 30-Jährigen (48 Tote). In der Altersgruppe der 31- bis 60-Jährigen zählte die in Bad Nenndorf bei Hannover ansässige DLRG insgesamt 108 Todesopfer.

Die DLRG-Präsidentin sprach von besorgniserregenden Zahlen, insbesondere bei den Jugendlichen. Unter den 73 Opfern bei den 11- bis 30-Jährigen sei nur eine Person weiblich gewesen. „Gerade unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern sind Übermut und Selbstüberschätzung weit verbreitet und ebenso wie der Konsum von Alkohol mitursächlich für tragische Unfälle.“

Frank Villmow aus dem DLRG-Präsidium fügte an, Ertrinken sei generell ein „männliches Problem“. So seien unter allen Todesopfern im Jahr 2025 nur 68 Frauen erfasst worden. Bei 13 Opfern sei das Geschlecht nicht bekannt. „Dem gegenüber stehen 312 Opfer männlichen Geschlechts.“

Gefahr primär in Flüssen und Seen

Neun von zehn tödlichen Unfällen (88 Prozent) fanden in öffentlich zugänglichen Gewässern im Binnenland statt - die meisten in Seen und Teichen (158) sowie in Fließgewässern (153). DLRG-Präsidentin Vogt betonte, Flüsse, Seen und allgemein unbewachte Gewässer sollten möglichst gemieden werden. „Am sichersten ist das Baden und Schwimmen dort, wo Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer im Notfall direkt vor Ort sind.“

Abzulesen sei dies auch daran, dass an Nord- und Ostsee insgesamt nur 22 Opfer zu beklagen waren. Während die DLRG für die Nordsee mit fünf Fällen zwei mehr als im Vorjahr erfasste, waren es für die Ostsee zehn tödliche Unfälle weniger (17). Die 27 Frauen und Männer, die 2024 in der Ostsee ertranken, waren nach Angaben der DLRG ein seltener Höchstwert.

Hohe Opferzahl in Bayern

Nach Bundesländern gegliedert ertranken im vergangenen Jahr die meisten Menschen in Bayern (84). Danach folgten Nordrhein-Westfalen (48), Niedersachsen (47) und Baden-Württemberg (43). In Mecklenburg-Vorpommern gab es 30 Opfer, gefolgt von Brandenburg (25), Schleswig-Holstein (21), Hessen (19), Berlin (16) sowie Hamburg und Rheinland-Pfalz (je 15). Die wenigsten Opfer beklagten Sachsen (10) Thüringen und Sachsen-Anhalt (je 7) sowie Bremen (4) und das Saarland (2).