Junge Afghanen erhalten nur noch selten Schutzstatus

Junge Afghanen erhalten nur noch selten Schutzstatus
Dass die Bundesregierung den Schutzbedarf von Menschen aus Afghanistan infrage stellt, hat sich zuletzt in den Absagen für Aufnahmeprogramme gezeigt. Auch reguläre Asylanträge von jungen Afghanen haben aktuell wenig Aussicht auf Erfolg.

Berlin (epd). Junge Männer aus Afghanistan bekommen in Deutschland nur noch relativ selten einen Schutzstatus zugesprochen. Während die sogenannte bereinigte Schutzquote im Januar 2025 noch bei 66,6 Prozent lag, wurden im Januar dieses Jahres nur noch 16,2 Prozent der Anträge 18- bis 40-jähriger Afghanen anerkannt, wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine im Rahmen der Fragestunde im Bundestag gestellte Anfrage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger hervorgeht.

Die bereinigte Schutzquote berücksichtigt nur Entscheidungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), in denen inhaltlich über das Schutzbegehren geurteilt wurde. Formelle Entscheidungen etwa die Prüfung der Zuständigkeit eines anderen EU-Staates sowie Entscheidungen im Rahmen des Familiennachzugs wurden dabei nicht berücksichtigt.

Bünger: Mit Realität in Afghanistan nicht vereinbar

Wie die Zahlen des Bundesinnenministeriums zeigen, ist die Schutzquote für junge Männer aus Afghanistan seit März vergangenen Jahres drastisch gesunken. Nach Informationen der Linken gibt es seitdem neue Leitsätze für Entscheidungen zu Afghanistan, bei denen von der Möglichkeit einer Erwerbstätigkeit in Afghanistan ausgegangen werde.

Bünger kritisierte die Entwicklung. „Die Schutzquote des Bamf bei jungen Männern aus Afghanistan ist mit der dortigen Realität nicht in Einklang zu bringen“, sagte sie. Die politische Herrschaft der Taliban sei extrem repressiv und auch die humanitäre Lage sei infolge von Dürren, Erdbeben, Misswirtschaft und des internationalen Sanktionsregimes „katastrophal“. „Unter diesen Bedingungen zu behaupten, junge Männer könnten sich durch Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten und bräuchten daher keinen Schutz, ist an Zynismus kaum zu überbieten“, sagte Bünger.

Die Bundesregierung geht mit Schutzbegehren aus Afghanistan zunehmend restriktiv um. Zuletzt wurden Zusagen für früher erteilte Aufnahmezusagen zurückgezogen. Zudem forciert Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auch Abschiebungen in das Land. Zwangsweise zurückgebracht werden nach aktueller Vereinbarung Straftäter und Gefährder.