Studie dringt auf Reform des Ehegattensplittings

Studie dringt auf Reform des Ehegattensplittings
Viele verheiratete Mütter ab 45 Jahren bleiben im Teilzeitjob gefangen. Vollzeit lohnt sich steuerlich nicht, wenn der Mann Hauptverdiener ist. Eine Studie wirbt für eine Reform des Ehegattensplittings, um die Erwerbsquote unter Frauen zu erhöhen.
05.03.2026
epd
Von Katrin Nordwald (epd)

Gütersloh, Berlin (epd). Auch wenn die Kinder schon größer sind, bleibt eine Vollzeitbeschäftigung für Mütter oft unattraktiv. 50 Prozent der teilzeitbeschäftigten, verheirateten Frauen zwischen 45 und 66 Jahren geben an, eine Aufstockung lohne sich für sie wegen des Ehegattensplittings finanziell nicht, wie eine am Donnerstag veröffentlichte repräsentative Befragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergab. Bliebe allerdings vom Zusatzverdienst mehr Netto übrig, könnten sich insbesondere Frauen mit Minijobs vorstellen, ihre Arbeitszeit auszuweiten.

Von den bundesweit fast 4.000 befragten Frauen waren demnach rund 1.500, die Hausfrauen, im Vorruhestand oder aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig sind. Auch unter den Frauen, die sich seit der Heirat der Haus- und Familienarbeit widmen, meinten fast die Hälfte (49 Prozent), dass sich eine Erwerbstätigkeit für sie persönlich nicht rechne.

Stiftungsexpertin: Politik bremst Beschäftigung von Frauen aus

Angesichts des Fachkräftemangels sieht die Bertelsmann Stiftung dringenden Reformbedarf beim Steuerprivileg für verheiratete Paare. „Die Politik fordert, dass Mehrarbeit sich lohnen soll - das bleibt unglaubwürdig, solange wir ausgerechnet Frauen, die oft gerne mehr Erwerbsarbeit leisten wollen, beim Aufstocken ihrer Stunden mit hohen Steuersätzen ausbremsen“, kritisierte Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Stiftung.

Das Ehegattensplitting ist ein Steuervorteil für Ehepaare. Dabei werden die Einkommen der Partner zusammengerechnet und besteuert, als hätte jeder die Hälfte verdient. Dadurch sinkt der Steuersatz teils deutlich, wenn einer der Partner deutlich mehr verdient als der andere - mehrheitlich sind das die Ehemänner.

Bis zu 175.000 zusätzliche Vollzeitstellen durch Steuerreform möglich

Die Umfrageergebnisse machten deutlich, welches Potenzial eine Reform des Ehegattensplittings allein in der Gruppe der Ehefrauen ab 45 Jahren entfalten könnte, hieß es. So könnte nach Berechnung des DIW die Erwerbsquote um knapp 1,5 Prozentpunkte wachsen und damit der Umfang der Arbeitsstunden um drei Prozent steigen. Zusammen ergebe das eine Zunahme des Arbeitsvolumens von knapp fünf Prozent, was 175.000 zusätzlichen Vollzeitstellen entspräche. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des damit zunehmenden Drucks auf die sozialen Sicherungssysteme „können wir es uns ökonomisch nicht leisten, dieses Potenzial ungenutzt zu lassen“, warnte Hermann.

Stiftungsexperte Eric Thode verwies auf Vorschläge von Ökonomen. „An die Stelle des Ehegattensplittings sollte das Realsplitting treten. Damit wäre ein übertragbarer Grundfreibetrag analog zum aktuellen Unterhaltsrecht gewährleistet“, sagte er. Das würde die hohe Steuerbelastung von zusätzlichem Arbeitseinkommen reduzieren und die Aufnahme beziehungsweise Ausweitung einer Beschäftigung attraktiver machen.

Für die DIW-Studie waren im vergangenen Juni 3.788 Frauen ab 45 Jahren online befragt worden: zu Familienstand, Bildungsabschluss sowie den Gründen, warum sie ihren Beruf aufgegeben oder einen Minijob haben und unter welchen Bedingungen sie Vollzeit arbeiten würden. Auf der Basis wurden die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungseffekte hochgerechnet.