Hausärzte-Mangel: Studie empfiehlt Aufgabenübertragung an Fachkräfte

Hausärzte-Mangel: Studie empfiehlt Aufgabenübertragung an Fachkräfte
Bis 2030 fehlen voraussichtlich mehr als 8.000 Hausärzte. Einer Studie zufolge ließe sich diese Lücke jedoch schließen, indem speziell qualifizierte Gesundheitsfachkräfte in größerem Umfang bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen.

Gütersloh (epd). Angesichts eines drohenden Mangels an Hausärzten empfiehlt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, Aufgaben an weitergebildete Fachkräfte zu übertragen. Dadurch könnten Hausärzte im Schnitt fast zwei Drittel (65 Prozent) ihres Zeitvolumens einsparen, teilte die Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh zur Veröffentlichung der Studie mit dem Titel „Delegation im Praxisteam: Ein starker Hebel für die Sicherung der Versorgung“ mit. Vor allem wiederkehrende, aber anspruchsvolle Aufgaben ließen sich an qualifizierte Fachkräfte abgeben.

Als Beispiele nannte die Studie diagnostische Verfahren wie Sonografien, Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Wundnachsorge oder Hausbesuche mit Routineaufgaben. Durch die frei werdenden Kapazitäten könnten die Hausärztinnen und -ärzte insgesamt mehr Patientinnen und Patienten versorgen und sich für Behandlungen und Gespräche mehr Zeit nehmen, erklärte die Stiftung.

Lücke von mehr als 8.000 Hausärzten

Es wäre theoretisch möglich, die Lücke von rund 8.200 Hausarztplätzen im Jahr 2030 mit rund 12.000 speziell geschulten Praxisassistentinnen und -assistenten abzudecken, hieß es. Viele der benötigten Fachkräfte seien bereits entsprechend qualifiziert und im System. Zudem könnten vorhandene Assistenzkräfte durch eine Weiterbildung oder ein berufsbegleitendes Studium die Qualifikation erwerben.

Bereits heute seien rund 5.000 Hausarztsitze in Deutschland nicht besetzt, erklärte die Stiftung. Bis 2030 könnten laut Berechnungen des wissenschaftlichen Instituts der Barmer weitere 3.200 Sitze nicht mit Hausärztinnen und -ärzten besetzt werden. Die Berechnungen der Versorgungseffekte durch Übertragung von hausärztlichen Aufgaben auf qualifizierte Assistenzberufe basieren nach Angaben der Stiftung auf der Datenauswertung aus zwei Hausarztpraxen mit etablierten Delegationsmodellen.