Berlin (epd). Mit einer Aktion vor dem Brandenburger Tor hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Freitag in Berlin auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam gemacht. Anlass war der sogenannte Equal Pay Day (Tag des gleichen Lohns). Der DGB präsentierte die Lücke bildlich mit einer mit Kind und Haushaltsutensilien beladenen Frau auf einem niedrigeren Podest und einem Mann mit Kaffeebecher und Aktentasche auf einem höheren Podest.
Der unbereinigte Gender Pay Gap, die geschlechtsspezifische Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, betrug nach Angaben der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi 2025 in Deutschland durchschnittlich 16 Prozent. Bereinigt, also nach Abzug struktureller Nachteile wie einkommensschwächere Berufe oder häufigere Teilzeitbeschäftigung, liege der Unterschied bei sechs Prozent, ergänzte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Mareike Wulf (CDU).
In 30 Jahren 60.000 Euro Unterschied
Die realen Auswirkungen hielt Wulf in einem Rechenbeispiel fest: Eine Busfahrerin mit gleicher Arbeitszeit wie ihr männlicher Kollege würde pro Monat 180 Euro weniger verdienen, auf 30 Arbeitsjahre gerechnet würden so mehr als 60.000 Euro fehlen. Um eine umfassende Gleichstellung zu erreichen, setze die Bundesregierung auf den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Katja Mast (SPD), sagte, die Bundesregierung arbeite „händeringend“ an Lösungen. Vor zehn Jahren habe die Lohnlücke noch bei 21 Prozent gelegen. Dass sie heute fünf Prozentpunkte geringer sei, liege an Mindestlohn, Grundrente, Entgeltgesetz und der Frauenquote in Führungspositionen. Der Equal Pay Day zeige jedoch, dass noch viel zu tun sei, bis Frauen die gleichen Löhne bekämen.
Antidiskriminierungsbeauftragte vermisst Tempo
Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, betonte, „der Gender Pay Gap ist kein Naturgesetz“. Frau sein am Arbeitsplatz stelle weiterhin einen Nachteil dar. Auch die zeitliche Perspektive kritisierte sie: „Wenn das in diesem Tempo weitergeht, besiedelt der Mensch erst den Mars, bevor Frauen gleiche Löhne bekommen“, sagte Ataman.
DGB-Chefin Fahimi forderte die Bundesregierung auf, die europäische Entgelttransparenz-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen und nicht etwa das Arbeitszeitgesetz zu ändern. Es sei „unverschämt“, zu mehr Arbeit aufzurufen, sagte Fahimi.
Tarifbindung als Lösung?
Die erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, betonte, eine Tarifbindung würde die Lücke in der Bezahlung deutlich verringern. In der Metall- und Elektroindustrie würden Frauen über elf Euro mehr pro Stunde verdienen. Allerdings sei die Tarifbindung rückläufig, was die Gerechtigkeit beim Einkommen verschlechtere.
Mit Blick auf das Vorjahr 2024 ist der unbereinigte Gender Pay Gap laut DGB gleich geblieben. Im europäischen Vergleich liege Deutschland damit auf den hinteren Plätzen. Der EU-Durchschnitt betrug 2023 zwölf Prozent.
Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland im Vergleich zu Männern unbezahlt arbeiten, wenn beide denselben Jahreslohn erhalten. Im vergangenen Jahr fiel der Tag auf den 7. März.


