"Es geht immer um Menschen in Konfliktsituationen"

"Es geht immer um Menschen in Konfliktsituationen"
Theologe mahnt mehr Seelsorge bei einem Schwangerschaftsabbruch an
Der Konflikt um Schwangerschaftsabbrüche am Christlichen Krankenhaus in Lippstadt hat unterschiedliche Auffassungen auf katholischer und evangelischer Seite deutlich gemacht. Der evangelische Theologe Roser betont die Bedeutung der Seelsorge.
25.02.2026
epd
epd-Gespräch: Holger Spierig

Münster (epd). Der evangelische Theologe Traugott Roser mahnt im Zusammenhang mit einem Schwangerschaftsabbruch mehr Seelsorge an. „Wir sind in der Seelsorge im Umfeld von Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch oder der Pränataldiagnostik noch nicht wirklich gut vertreten“, sagte Roser in Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei einem Abbruch gehe es um Menschen in einer Konfliktsituation. „Da ist Begleiten genauso wichtig wie Beraten und Behandeln“, erklärte der Professor für Praktische Theologie an der Universität Münster.

Ein Schwangerschaftsabbruch dürfe nicht allein unter dem moralischen Aspekt bewertet werden, sagte Roser. Es gehe immer um Menschen, auch in Dilemmasituationen. Die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in diakonischer Trägerschaft leisteten eine gute Arbeit. Sie hätten jedoch wenig seelsorgerliche Unterstützung. Es sei wichtig, die Menschen in der Situation zu begleiten. Das gelte auch für die Ärztinnen und Ärzte sowie für das Krankenhauspersonal.

„Ein Schwangerschaftsabbruch ist eine schwere Entscheidung“

Ein Abbruch einer Schwangerschaft sei die schwere Entscheidung einer Mutter gegen ihr Kind, erklärte der Theologe. Es sei immer ein ethischer Konflikt, für den es keine gute Lösung gebe. Trotz aller Naturwissenschaft bleibe es „ein geheimnisvoller Prozess des Werdens des menschlichen Lebens“. Deshalb tue sich protestantische Theologie schwer mit Festlegungen wie im katholischen Bereich, wenn der Beginn des Lebens auf einen biologisch bestimmten Moment genau bestimmt werde.

Ein christliches Krankenhaus mit einem katholischen Träger könne entscheiden, ob ein Schwangerschaftsabbruch zu seiner spirituellen religiösen Tradition gehöre, sagte der evangelische Theologe mit Blick auf den Konflikt am fusionierten Christlichen Krankenhaus in Lippstadt. Das Landesarbeitsgericht habe zugleich klargemacht, dass dem Chefarzt Joachim Volz nicht verboten werden dürfe, in seiner Privatpraxis Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Der Arzt entziehe Frauen in einer Konfliktsituation nicht seine Unterstützung, sondern führe einen Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der gesetzlichen Regelungen auch durch, unterstrich Roser.