Bischof Wilmer: "Stehen an der Seite der Ukraine"

Bischof Wilmer: "Stehen an der Seite der Ukraine"
Der erste Appell des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz galt dem Frieden in der Ukraine. Die Bischöfe wählten den 64-jährigen Heiner Wilmer aus Hildesheim am Dienstag zum Nachfolger von Georg Bätzing.
24.02.2026
epd
Von Franziska Hein und Stephan Cezanne (epd)

Würzburg (epd). Der neue Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat an das Leiden der ukrainischen Bevölkerung nach vier Jahren Krieg erinnert. „Vier Jahre voller Leid, voller Zerstörung, voller Tränen, Städte zerstört, Kinder im Schutzraum, Mütter auf der Flucht, Väter an der Front, wie viel Unrecht und Gewalt“, sagte er zum vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine am Dienstag in Würzburg während der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe. „Im Namen Gottes, dieser Krieg braucht ein Ende - jetzt“, forderte er.

Frieden sei kein ferner Traum, sagte der Hildesheimer Bischof weiter. „Ein Friede, der den Namen verdient, wächst aus Gerechtigkeit.“ Er achte das Recht. „Wir stehen an der Seite der Ukraine. Wir stehen an der Seite aller, die unter Krieg leiden“, bekräftigte er. Zuvor hatten die Bischöfe den 64-Jährigen am Dienstagvormittag zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt und damit zum Nachfolger von Georg Bätzing bestimmt. Der Ordenspriester wird in den kommenden sechs Jahren die Bischofskonferenz nach außen repräsentieren.

Lehrer in der New Yorker Bronx

Wilmer wurde am 9. April 1961 im niedersächsischen Schapen (Emsland) geboren. 1980 trat er in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester ein. 1987 wurde er zum Priester geweiht. Von 1987 bis 1993 studierte er in Rom und Freiburg. Nach verschiedenen beruflichen Stationen - unter anderem in der New Yorker Bronx - wurde er Schulleiter an einem Gymnasium in Niedersachsen, wo er selbst Abitur gemacht hatte.

Von 2007 bis 2015 war Wilmer Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester in Bonn und im Anschluss bis 2018 Generaloberer der Herz-Jesu-Priester in Rom, bis Papst Franziskus ihn im April 2018 zum Bischof von Hildesheim ernannte. Wilmer spricht mehrere Sprachen.

„Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche“

Wilmer gilt als traditionsverbunden, aber zugleich auch offen gegenüber Reformen. Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche nahm er von Beginn an sehr ernst. Zum Thema Missbrauch sagte Wilmer, dass die Stimmen von Betroffenen Gewicht hätten und wichtig seien für die Aufarbeitung. 2018, kurz nach seiner Amtseinführung, hatte Wilmer in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gesagt, der Missbrauch von Macht stecke in der DNA der Kirche, und damit viel Kritik geerntet. Der Bischof jedoch bekräftigte später seine Aussage.

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie forderte Wilmer 2020 in einem Beitrag für „Die Zeit“ eine „spirituelle Revolution“. Darin schrieb er, wenn er darüber nachdenke, wie man die Kirche wirklich erneuern könne, um sie wieder relevanter für die Menschen zu machen, störe ihn zweierlei: „die eskalierende Empörung über die Schlechtigkeit der Kirche einerseits und die Kaskaden der Verteidigung des Bestehenden andererseits“. Zentral sei die Rückkehr zum Kern allen Tuns, die Verkündigung des Evangeliums. Dies machte Wilmer auch am Dienstag deutlich. „Die katholische Kirche ist attraktiv“, sagte er. Die christliche Hoffnung sei mehr als naiver Optimismus.

Gratulationen von der EKD und katholischen Verbänden

„Die katholische Kirche in Deutschland hat eine schwere Zeit hinter sich“, sagte er. „Wir haben viel gerungen. Doch es geht nach vorn.“ Kirche sei für viele ein wichtiger Anker. „Mit unserem sozialen Engagement sind wir eine Säule in der Gesellschaft.“ In der Bischofskonferenz ist er seit September 2021 Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.

Gratulationen kamen von der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, und zahlreichen katholischen Verbänden. Reforminitiativen und Verbände forderten eine Fortsetzung der Reformbemühungen, die im Synodalen Weg in den vergangenen sechs Jahren angestoßen wurden.