Jena (epd). Rassismus wird in deutschen Behörden oft als individuelles Fehlverhalten Einzelner statt als strukturelles Problem ganzer Organisationen gesehen. Zu diesem Befund kommt das am Montag veröffentlichte Jenaer Teilprojekt „Innerbehördliche Auseinandersetzung mit Rassismus“ im bundesweiten Forschungsverbund „Institutionen und Rassismus“.
Das Projekt untersuchte von 2021 bis 2024, wie Polizei und Sozialverwaltungen mit Rassismus umgehen. Die Autoren der Studie stellten fest, dass Umfang, Tiefe und Nachhaltigkeit der Auseinandersetzung stark vom Engagement einzelner Führungskräfte abhängen. Maßnahmen, die formal angeordnet werden, aber im Arbeitsalltag kaum Relevanz haben, stoßen demnach häufig auf Ablehnung oder werden informell umgangen.
Mehr Schulungen empfohlen
Beschäftigte bewerten Schulungen laut der Studie als nützlich, doch erschwere eine hohe Arbeitsbelastung die Teilnahme. Das Thema werde oft an spezialisierte Stellen delegiert, die nicht genügend Weisungsbefugnis hätten. Kritik werde teils abgewehrt oder nachrangig behandelt. Strukturelle Verankerung rassismuskritischer Perspektiven in Organisation, Personalentwicklung und Führungskultur fehle vielerorts.
Projektleiterin Rosa Leon Reichle erklärte, solange Rassismus vor allem als individuelles Fehlverhalten gesehen werde, gerieten strukturelle und institutionelle Aspekte aus dem Blick. Ihr Team empfiehlt unter anderem bundesweit verbindliche Definitionen von Rassismus, verpflichtende Aus- und Fortbildungen, transparente Beschwerdewege sowie eine aktive Rolle von Führungskräften.


