Kritiker sehen noch viele Mängel bei elektronischer Patientenakte

Kritiker sehen noch viele Mängel bei elektronischer Patientenakte
Der Verbraucherzentrale Bundesverband und Hausärzte bemängeln den Stand der Dinge bei der elektronischen Patientenakte. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellt Verbesserungen in Aussicht.
18.02.2026
epd
Von Nils Sandrisser (epd)

Berlin (epd). Hausärzte und Verbraucherschützer sehen bei der elektronischen Patientenakte (ePA) noch viele Defizite. Die ePA müsse „zügig im Sinne der Versicherten weiterentwickelt werden“, teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen am Mittwoch in Berlin mit. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte Verbesserungen an.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale verwaltet eine große Mehrheit (71 Prozent) ihre ePA nicht aktiv. Allerdings hat nur eine Minderheit (9 Prozent) sie löschen lassen. Für die Untersuchung hatte Forsa Anfang November 1.037 Menschen telefonisch befragt.

Zu den Gründen ihrer Nicht-Nutzung gaben 75 Prozent der Befragten an, sie hätten sich mit der ePA noch gar nicht beschäftigt. 33 Prozent sahen in ihr keinen Nutzen. 13 Prozent führten Datenschutzbedenken und Sorgen um die Sicherheit ihrer Daten an, weitere 13 Prozent bemängelten eine unzureichende Selbstbestimmung ihrer Daten. 11 Prozent empfanden sie generell als zu kompliziert. Laut einer Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums nutzen die ePA bisher 4 Millionen der 74 Millionen gesetzlich Versicherten.

Nachbesserungen gefordert

Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, forderte für die ePA eine Möglichkeit, genau einzustellen, welche Praxis Zugriff auf welche Informationen habe. „So möchten Patientinnen und Patienten möglicherweise psychotherapeutische Befunde mit der Hausarztpraxis teilen, jedoch nicht unbedingt mit der Zahnarztpraxis“, erläuterte Pop.

„Die ePA kann alltagsnahe Mehrwerte für Versicherte schaffen“, sagte Pop weiter. Das Bundesgesundheitsministerium müsse einen Fahrplan zur Umsetzung von Verbesserungen vorlegen. Es bestehe zudem weiter erheblicher Aufklärungsbedarf. Nur ein Viertel der Befragten wisse beispielsweise, dass ihre anonymisierten Daten künftig zu Forschungszwecken verwendet werden dürften.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband forderte außerdem, mehr Datensouveränität zu ermöglichen und Hürden bei der Registrierung zu beseitigen. Es fehlten zentrale Funktionen wie digitale Impf- und Bonushefte oder Mutterpässe. Wünschenswert sei zudem ein möglichst einheitlicher Aufbau der ePA, derzeit sei deren Erscheinung je nach Krankenkasse sehr unterschiedlich. Es brauche auch eine unabhängige Evaluation der Patientenakte.

Kritik von Hausärzten

Auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, hält eine Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) für dringend geboten. Während die ePA in anderen Ländern schon funktioniere, scheitere sie in Deutschland nach wie vor an der konkreten Umsetzung, sagte Baier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch, online).

Derzeit sei die ePA vor allem „eine unsortierte PDF-Sammlung, mit der Praxen im Alltag nur wenig anfangen können“, sagte Baier. Ein Problem sei auch, dass es bei der Telematik-Infrastruktur - dem Netzwerk, auf dem die ePA läuft - immer wieder zu massiven Störungen und Ausfällen komme.

Gesundheitsministerin Warken kündigte Verbesserungen an. „Neben dem e-Rezept und der Medikationsliste, die bereits fester Bestandteil der Versorgung sind, werden durch die e-Überweisung, die digitale Ersteinschätzung und eine verankerte Terminvermittlung weitere Anwendungen integriert“, sagte Warken der „Rheinischen Post“ (Mittwoch, online). Unter Einhaltung von Schutzstandards werde das Authentifizierungsverfahren vereinfacht und die Telematik-Infrastruktur in ihrer Komplexität reduziert.