Berlin, Leipzig (epd). Rassismus ist einer Studie zufolge in Behörden mindestens so verbreitet wie in der Gesamtbevölkerung. Er zeige sich seltener in offenen Anfeindungen, sondern stecke in Routinen, Entscheidungsspielräumen und der Organisationskultur, wie das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt am Dienstag in Leipzig mitteilte. Das Institut koordinierte die vom Bundesinnenministerium mit sechs Millionen Euro geförderte Großstudie.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befragten dafür den Angaben zufolge rund 13.000 Mitarbeitende der vier Bundesbehörden Bundespolizei, Zoll, Bundesagentur für Arbeit und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, redeten mit Klienten der Behörden, beobachteten den Behördenalltag und verglichen Dokumente. „Eine Studie dieses Zuschnitts hat es in Deutschland bislang nicht gegeben“, erklärte der Studienleiter, der Leipziger Religionssoziologe Gert Pickel.
Ablehnung Geflüchteter bei Bundespolizei und Zoll höher
Ein Ergebnis der Studie ist, dass Rassismus „in allen Institutionentypen nachweisbar“, im Vergleich mit der Bevölkerung aber kein „einheitlich erhöhtes Maß“ diskriminierender Einstellungen zu erkennen sei, heißt es in der Mitteilung des Instituts. In einigen Dimensionen seien die Werte niedriger ausgefallen, bei anderen, etwa der Ablehnung Geflüchteter, bei Bundespolizei und Zoll aber auch höher.
In der Studie wird zur Veranschaulichung rassistischer Handlungsmuster etwa darauf verwiesen, dass ein Experiment zeigte, dass Anträge rumänischer Antragsteller als weniger glaubwürdig angesehen werden - und in der Folge weniger Unterstützung zuerkannt wird. Eine Schlechterbehandlung konstatiert die Studie auch für die Gruppe der Sinti und Roma, Muslime und nicht-weißen Geflüchteten etwa gegenüber weißen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine.
Die Studie empfiehlt der Politik, Schutzlücken für Betroffene zu schließen, die sich im Verhältnis zu staatlichen Institutionen bislang nicht auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz berufen können. Zudem rät sie zur Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen und rassismuskritischen Fortbildungen für Behördenpersonal.


