Köln, Düsseldorf, Mainz (epd). Die Rosenmontagszüge in den Karnevalshochburgen sind auch in diesem Jahr ein Spiegel der Weltpolitik und nehmen Trump und Putin aufs Korn. Mit ihren politischen Mottowagen spotten die Jecken und Narren aber auch über Bundeskanzler Merz (CDU), die AfD und das Regime im Iran. In Köln zog Deutschlands größter Umzug, der rund sieben Kilometer lange „Zoch“, ebenso wie die Züge in Mainz und Düsseldorf durch dicht gesäumte Straßen. Der Mainzer Carneval-Verein rechnete für den 7,2 Kilometer langen Zug durch das Zentrum der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt mit mehr als 600.000 Zuschauern.
In Düsseldorf ist das Verfahren gegen den Bildhauer Jacques Tilly Thema eines Wagens. Dabei spießt der russische Präsident Wladimir Putin den Hoppeditz mit einem Schwert auf. Die zentrale Düsseldorfer Karnevalsfigur wiederum schlägt dem Militärkleidung tragenden Putin mit einer Narrenpritsche auf den Kopf. In Moskau läuft aktuell ein Prozess gegen den Düsseldorfer Wagenbauer wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane. Tilly nimmt nicht daran teil.
Solidarität mit Wagenbauer Tilly
Auch im Kölner Rosenmontagszug gibt es Solidarität mit dem Düsseldorfer Wagenbauer: Dort hängt ein Schild mit der Aufschrift „Mer ALL sin Tilly“ („Wir alle sind Tilly“) an einem Wagen. Putin selbst ist auf den Persiflagewagen des Kölner Karnevals nicht abgebildet. Allerdings zeigt eine Fußgruppe der Ukraine-Hilfsorganisation Blau-Gelbe Kreuz im „Zoch“ Zeichnungen von früheren Putin-Persiflagen von Tilly auf Schildern.
Die politischen Motivwagen in Mainz gaben etwa Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und seine Vorliebe für Fleisch und US-Präsident Donald Trump dem Spott preis. Der Personalmangel bei der Bundeswehr inspirierte die Wagenbauer zu dem Vorschlag, rüstige Rentner mit „Kampfrollator“ ins Feld zu schicken. Durch den im Vorfeld umstrittenen Wegfall von rund 20 Zugnummern sollte sichergestellt werden, dass alle Gruppen und Wagen das Ende der Zugstrecke bis Einbruch der Dunkelheit erreichen.
Bundeskanzler Merz aufs Korn genommen
In Düsseldorf ist der russische Präsident auch auf zwei weiteren satirischen Wagen zu sehen: Einmal steuert er eine AfD-Drohne mit dem Kopf von Parteichefin Alice Weidel. Eine weitere Persiflage zeigt Putin, der gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump ein verschreckt blickendes Europa verschlingt. Ein anderer Wagen zeigt Trump zusammen mit einer Jesusfigur. Der US-Präsident schlägt mit seinem „ICE“-Arm ins Gesicht des Mannes mit Dornenkrone und Heiligenschein auf dem Kopf. Auf Jesus' Gewand steht die Aufschrift „Love & humanity“ (Liebe & Menschlichkeit). Die Abkürzung ICE steht für die US-Einwanderungsbehörde.
Die Proteste der Menschen im Iran gegen das Mullah-Regime sind ebenfalls Thema: In Düsseldorf fährt ein Wagen mit einem sich auflösenden Mullah, dem Blutstropfen aus dem Mund tropfen. Die Kölner Karnevalisten zeigen den Politiker und Religionsführer Ali Chamenei, der Demonstrierende auffrisst und ein Blutbad verursacht.
Aber auch die Bundespolitik wird bei den Zügen aufs Korn genommen: In Düsseldorf reitet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) etwa mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) auf deinem Verbrenner-Dinosaurier. In Köln ist Merz als „Kanzler der Schmerzen“ zu sehen, wie er und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sich mit Fetischoutfits im „Groko Happy Aua Club“ den Hintern versohlen.


