Dresden: Eine Menschenkette zum Erinnern an 1945

Dresden: Eine Menschenkette zum Erinnern an 1945
Dresden hat der Zerstörung der Stadt 1945 und der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Mit Kerzen, Kränzen und einer Menschenkette erinnerten Tausende auch an die Bedeutung von Frieden und Demokratie.
13.02.2026
epd
Linn Manegold (epd)

Dresden (epd). Als sich die Kette aus rund 5.000 Menschen um die Dresdner Altstadt geschlossen hatte, war es für kurze Zeit still. Nur das Läuten der Kirchenglocken hallte in diesem Moment durch die Straßen: Ein Gedenken am Jahrestag des alliierten Luftangriffs vom 13. Februar 1945, das jedes Jahr nicht nur an die Opfer des Zweiten Weltkriegs und an die Zerstörung Dresdens erinnert. In einer zerrissenen Zeit mahnt die Menschenkette quer durch die Stadt auch zu Frieden und Demokratie. Auch Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) beteiligte sich am Freitag daran.

Zuvor hatten am 81. Jahrestag der Bombardierung der Stadt Politik und Zivilgesellschaft mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen an die Kriegsopfer und die Zerstörung der Stadt erinnert, darunter mit Kranzniederlegungen, Andachten in der durch den Luftangriff zerstörten und inzwischen wieder aufgebauten Frauenkirche und mit Kerzen auf ihrem Vorplatz. Bei einem „Bürgersingen“ wurden gemeinsam mit den Philharmonischen Chören vor dem Kulturpalast deutsche und englische Lieder gesungen. Bei den britischen und US-amerikanischen Luftangriffen vom 13. bis 15. Februar 1945 waren rund 25.000 Menschen gestorben.

Gemeinsames Erinnern

Dresdens erster Bürgermeister Jan Donhauser (CDU) sagte, die Menschenkette stehe dafür, dass die Hoffnung auf Versöhnung nie vergebens sei, „auch nicht in der dunkelsten Stunde“. Ursula Straudinger, Rektorin der Technischen Universität Dresden und Versammlungsleiterin der Menschenkette, mahnte, die Demokratie sei kein Geschenk, sondern ein Auftrag.

Rachel Lancaster, Bürgermeisterin der britischen Partnerstadt Coventry, sagte, das gemeinsame Erinnern sei von besonderer Bedeutung. Die heutige Freundschaft beider Städte sei ein Zeichen, dass Konflikte und Verlust sich überwinden ließen. Coventry war im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe am 14. November 1940 zerstört worden.

Mahnungen zu Frieden

Bei den Gedenkveranstaltungen im Lauf des Tages wurde auch auf zwei Friedhöfen der Kriegsopfer gedacht. Alexander Estis, ein Schriftsteller mit jüdischen Wurzeln, betonte dabei, Frieden sei „ein schreckliches Wort, wenn er nur ein Wort ist“. Bei einer Friedensandacht in der Frauenkirche erinnerte Pfarrerin Angelika Behnke an die Luftangriffe auf Dresden und an Kriegsopfer aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Behnke mahnte, „nicht nachzulassen, zu bitten und zu beten für den Frieden in der Welt“.

Gedenkweg und Glockenläuten

Am Abend war zu einem Gedenkkonzert, einem ökumenischen Gottesdienst und einem Gedenkweg nach der Menschenkette eingeladen. Zum Zeitpunkt des Beginns des alliierten Luftangriffs am 13. Februar 1945 um 21.45 Uhr sollten in der Stadt alle Kirchenglocken läuten. Zum Abschluss war in der Frauenkirche eine „Nacht der Stimmen“ vorgesehen.

Bis Sonntag waren zudem laut Dresdner Versammlungsbehörde im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Zerstörung Dresdens mehr als 20 Mahnwachen, Demonstrationen und andere Veranstaltungen angemeldet. In der Vergangenheit hatten Rechtsextremisten wiederholt versucht, das Gedenken für sich zu instrumentalisieren. Dagegen waren auch in diesem Jahr mehrere Demonstrationen angemeldet.