Erfurt, Weimar (epd). Der Verein Weimarer Republik sieht in der Terminwahl für den kommenden Bundesparteitag der AfD eine „fatale Parallele“ zur Geschichte des Nationalsozialismus. Die AfD will ihre Delegierten am 4. Juli 2026 in Erfurt versammeln und damit genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag, der am 4. Juli 1926 in Weimar stattfand. Dieser Zusammenhang erfülle ihn mit Sorge, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Stephan Zänker, am Donnerstag in Weimar.
Der studierte Historiker sagte, eine Partei, die mit Rechtsextremismus-Vorwürfen konfrontiert sei, dürfe ein solches Datum nicht wählen. Entweder stecke Unwissenheit dahinter, oder es handele sich um eine bewusste Provokation. Letzteres würde alle Abgrenzungsbeteuerungen der Partei gegenüber rechtsextremen Positionen infrage stellen.
Wendepunkt 1926
Der NSDAP-Reichsparteitag von 1926 gilt Historikern als Wendepunkt der völkischen Bewegung. Adolf Hitler (1889-1945) und seine Anhänger zogen damals demonstrativ in das Deutsche Nationaltheater Weimar ein. An genau diesem Ort war sieben Jahre zuvor die Verfassung der ersten deutschen Republik verabschiedet worden. Mit Massenaufmärschen und demonstrativer Machtdemonstration habe die NSDAP die Demokratie symbolisch attackiert, sagte Zänker.
Thüringen wurde laut Zänker damals auch deshalb gewählt, weil Hitler hier öffentlich sprechen durfte. Rechtsextreme Abgeordnete tolerierten in den 1920er Jahren die bürgerlich-konservative Landesregierung. Der Verein Weimarer Republik koordiniert die Erinnerung an die erste deutsche Demokratie und betreibt das „Haus der Weimarer Republik“.


